Neue OZ: Kommentar zu Arbeitsmarkt / Konjunktur

Osnabrück (ots) - Tief gefallen

Wie tief die Beschäftigten in Deutschland doch gefallen sind: Seit drei Jahren schon steigen die Löhne real an. Und doch ist immer noch nicht das Bruttoniveau des Jahres 2000 erreicht. Ökonomisch harte Zeiten und viele Reformen haben tiefe Spuren hinterlassen, wie das WSI-Institut erneut belegt hat. Mit anderen Worten: Auch Deutschland, das im Vergleich zu etlichen EU- Krisenstaaten vergleichsweise gut dasteht, ist keineswegs ohne Blessuren geblieben, sondern hinkt besseren Zeiten hinterher. Es gibt mithin keinen Grund, sich zurückzulehnen, dafür aber allen Anlass, hart für bessere Einkommen zu kämpfen.

Dies ist schon aus konjunkturellen Gründen erforderlich. In Zeiten, in denen die Nachfrage aus dem Ausland schwankt, spielt die Binnennachfrage eine umso größere Rolle. Faire, leistungsgerechte Löhne und Gehälter sowie eine angemessene Beteiligung an Produktivitätsfortschritten sind unabdingbar. Zwar müssen die Tarifpartner auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stets im Blick behalten, doch darf sie nicht das einzige Kriterium zur Beurteilung von Lohnfragen sein. Interessant auch, dass die Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen nominal deutlich stärker gestiegen sind als die Arbeitseinkommen. Wen wundert da noch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich? Und wen die immer wieder aufflammende Debatte um Verteilungsgerechtigkeit?

Uwe Westdörp

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