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Neue OZ: Kommentar zu Kultur
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Osnabrück (ots) - Alles klar, Andrea Doria

Es fällt nicht schwer, sich die Szene auszumalen, die sich am 23. Oktober in Kassel abspielen wird: Da schlurft ein älterer Herr mit Schlapphut und dunkler Sonnenbrille aufs Podium, nuschelt nach einem launigen "Hallöchen" ein paar schwer verständliche Halbsätze ins Mikrofon und bedankt sich - für die Verleihung des Grimm-Preises für Deutsche Sprache. Spätestens in diesem Augenblick wird sich so mancher Sprachpurist fragen, ob denn da Rudi Ratlos, Bodo Ballermann und Andrea Doria gemeinsam in der Jury gesessen, mit Eierlikör gegurgelt und sich zu fortgeschrittener Stunde auf eben diesen Preisträger geeinigt haben.

Andere aber werden sich vermutlich dabei ertappen, wie sie Evergreens vor sich hin summen, die sie seit Jahrzehnten auf ihrer Festplatte abgespeichert haben: "Rudi Ratlos", "Bodo Ballermann" und "Andrea Doria". Nein, die Jury war nicht ratlos, sondern gut beraten, als sie Lindenberg den Preis zuerkannte. Denn dessen Verdienste um die deutsche Sprache in der Popmusik sind historisch: In Zeiten, in denen matte Schlagersternchen peinliche Lieder in Hecks "Hitparade" trällerten, platzierte er anarchische Reime in Musik und Politik: "Ich hab 'n Fläschchen Cognac mit, und das schmeckt sehr lecker, das schlürf ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker . . ." Da sei der Jury zugerufen: "Alles klar auf der Andrea Doria!"

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