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Neue OZ: Kommentar zu Kunst
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    Osnabrück (ots) - Kampf um Sichtbarkeit

    Kriege finden im Fernsehen statt - oder gar nicht. Das ist keine zynische Bemerkung, sondern bittere Wirklichkeit in einer Weltöffentlichkeit, die nur noch wahrnimmt, was über Bildschirme flimmert. Der Krieg bedarf medialer Beglaubigung. Andernfalls interessiert sich niemand für das Leid der Opfer. Deshalb wird in jedem Krieg auch an einer imaginären Front gekämpft. Dort geht es um die Deutungshoheit im medialen Luftraum.

    Nur wer dafür sorgt, dass die richtigen Bilder vom Kriegsgeschehen entstehen, kann Öffentlichkeiten manipulieren oder eben Gräuel anprangern. Krieg ist heute unausweichlich Kampf um Sichtbarkeit. Es ist das Verdienst der monumentalen Ausstellung "Bilderschlachten", diesen fatalen Mechanismus klar herauszustellen. Gerade deshalb rührt das Kulturprojekt an einen Nerv der Zeit.

    Zugleich macht der Osnabrücker Medienmarathon erschreckend deutlich, dass immer mehr Bilder nicht automatisch einen Zuwachs an Aufklärung bedeuten. Hinter all den gestellten, manipulierten oder sonstwie verfälschten Bildern verschwimmt das Realgeschehen oft bis zur Unkenntlichkeit. Medien machen sichtbar - und sie sorgen dafür, dass unbemerkt bleibt, was nicht in ihren Sucher gerät. So paradox funktioniert eine Welt, die aus nichts als Bildschirmen zu bestehen scheint. Da hilft kein Klagen der Opfer.

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