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Neue OZ: Kommentar zu Literatur
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Kaiser

    Osnabrück (ots) - Aus der fernen Zeit der Bescheidwisser

    Anders als Marcel Reich-Ranicki war er nie ein Papst seiner Zunft. Und ein Scharfrichter schon gar nicht. Joachim Kaiser ist das Ideal des Bildungsbürgers im Parkett, der Inbegriff des abwägenden Connaisseurs. Als Intimus der Künste und der Künstler beansprucht er Autorität. All dies macht Joachim Kaiser zum Vorbild - und zu einer Figur der Vergangenheit. Anders als Marcel Reich-Ranicki avancierte Kaiser nie zu einem Mann der Massenmedien. Sein feiner Geschmack wird ihm das ohnehin verboten haben.

    Was ihn mit der Welt des Fernsehens inkompatibel macht, ist seine wie ein Markenzeichen gepflegte Bildung. Sie weitete seinen Blick über ein Fachgebiet hinaus, heftete ihn allerdings auch an einen Kanon, der nicht mehr gültig ist. Anders als Marcel Reich-Ranicki hat Joachim Kaiser nie einen Gegenstand seiner Kritik einfach so zerrissen. Er kultivierte dagegen das Image des Bescheidwissers. Weil das Bescheidwissen jedoch zur Fiktion abgesunken ist, wirkt Kaiser inzwischen so gestrig. Die Welt der Kultur sortiert sich heute nicht mehr so präzis. Mit dem Geschmacksurteil richtet niemand mehr etwas aus. An dessen Gültigkeit glaubt jedoch Joachim Kaiser. Und genau darin ist er kein bisschen anders als - Marcel Reich-Ranicki.

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