Christliche Initiative Romero

Staatliches Textilsiegel ist nur wirksam, wenn gesetzliche Regulierungen greifen
Selbstverpflichtung von Unternehmen ist der falsche Weg

Berlin/Münster (ots) - Die Christliche Initiative Romero (CIR) begrüßt die Initiative von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, sich verstärkt für die Einhaltung von sozialen und ökologischen Kriterien in der Produktionskette von Textilien einzusetzen. Seit vielen Jahren engagiert sich die entwicklungspolitische Organisation gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur durch die globale Textilindustrie. Die kritische Auseinandersetzung mit den bereits zahlreichen Siegeln, Standards und Zertifikaten in der Textilbranche zeigt jedoch, dass ein weiteres Textilsiegel nicht zwangsläufig eine Garantie für bessere Arbeitsbedingungen in den weltweiten Zuliefererfabriken darstellt.

"Die Initiative von Minister Müller ist grundsätzlich zu begrüßen. Eine Selbstverpflichtung von Textilunternehmen, auch in einem ersten Schritt, greift jedoch zu kurz", so Sandra Dusch Silva, Referentin für ethischen Konsum und Unternehmensverantwortung bei der CIR. Die jüngsten Katastrophen in Bekleidungsfabriken haben auf drastische Weise gezeigt, dass Selbstverpflichtungen nicht wirksam sind. Freiwillige Selbstverpflichtungen dienen den Unternehmen viel zu oft als Feigenblatt. Herausragendes Beispiel im negativen Sinne ist die Business Social Compliance Initiative (BSCI). Die wirtschaftsgetriebene Kontroll-Initiative mit schwachem Monitoring und fehlender unabhängiger Verifizierung und Transparenz verpflichtet LieferantInnen in Billiglohnländern auf Mindeststandards. Abnahmepreise und zu knappe Lieferfristen der AuftraggeberInnen werden dabei jedoch ausgeblendet.

Zertifizierungen greifen nur, wenn das gesamte Unternehmen einschließlich der Einkaufspraxis in den Blick genommen wird. Schon jetzt ist es für VerbraucherInnen eine Herausforderung, sich im Siegel-Dschungel zu orientieren. Problematisch ist auch, dass eine Kennzeichnung am Produkt durch ein Siegel die Einhaltung sozialer Standards suggeriert, obwohl diese nur schrittweise verbessert wird. Fest steht, dass ein staatliches Textilsiegel nur dann zu mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche führt, wenn die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten gesetzlich verbindlich ist und dies auch zuverlässig kontrolliert wird. "Eine gesetzliche Regulierung ebenso wie transparente Kontrollprozesse durch eine Multi-Stakeholder-Einrichtung und eine existenzsichernde Entlohnung der FabrikarbeiterInnen sind längst überfällig", fasst Dusch Silva zusammen.

Pressekontakte:


Sandra Dusch Silva, Referentin für Ethischen Konsum und
Unternehmensverantwortung
Christliche Initiative Romero (CIR)
Eldenaer Str. 60, 10247 Berlin
Tel: 030-41 72 47 84
Mobil: 0176 - 641 90 709
E-Mail: dusch@ci-romero.de

Joana Eink, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Christliche Initiative Romero (CIR)
Breul 23, 48143 Münster
Tel: 02 51 - 8 95 03
E-Mail eink@ci-romero.de

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