Christliche Initiative Romero

Gegen Ausbeutung - für Kinderrechte
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni fordern entwicklungspolitische Organisationen eine neue Sicht auf die Arbeit von Kindern

Berlin (ots) - Die Christliche Initiative Romero (CIR) und der Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher (ProNATs e.V.) haben heute in Berlin auf einer Pressekonferenz die geltende weltweite Ächtung der Kinderarbeit kritisiert. Hintergrund der Pressekonferenz war der Internationale Tag gegen Kinderarbeit, der am Samstag, 12. Juni, begangen wird.

Die beiden entwicklungspolitischen Organisationen treten für eine neue, differenzierte Sicht auf die Arbeit von Kindern ein. Statt des geltenden internationalen Verbotes der Kinderarbeit solle würdige Arbeit für Kinder möglich sein. Einrichtungen des Fairen Handels in Deutschland sollten Erzeugnisse aus Kinderhand vertreiben und damit arbeitenden Kindern und Jugendlichen in Ländern des Südens zu einer Existenz in Würde verhelfen.

Die Christliche Initiative Romero und ProNATs führen an, die pauschale Ächtung der Kinderarbeit beende die wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen nicht. "Ein Verbot und vehemente Erklärungen gegen die Kinderarbeit schaden sogar vielen arbeitenden Kindern", stellt Johanna Fincke, Referentin der Christlichen Initiative Romero, hierzu fest. "Durch die internationale Ächtung der Kinderarbeit werden sie in die Illegalität gezwungen und dadurch noch leichter ausbeutbar gemacht. Gemeinsam mit den arbeitenden Kindern und Jugendlichen fordern wir stattdessen kindgerechte, menschenwürdige Arbeitsbedingungen sowie eine Vereinbarkeit von Schule und Arbeit. Der Faire Handel in Deutschland sollte hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen, indem er die Kinder darin unterstützt."

"Dass ein pauschales Verbot von Kinderarbeit die Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen nicht beendet, hat erst jüngst die Global Child Labour Conference in Den Haag gezeigt", ergänzt Prof. Dr. Manfred Liebel, ProNATs-Vorstandsmitglied und wissenschaftlicher Leiter des European Network of Masters in Children's Rights (ENMCR). Auf der Konferenz hatte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) Anfang Mai eingestehen müssen, dass die weltweite Abschaffung der Kinderarbeit nicht wie noch vor vier Jahren von ihr verkündet "zum Greifen nah" sei. "Dieses Problem wird auch die neue Roadmap der ILO zur völligen Abschaffung der ,schlimmsten Formen der Kinderarbeit' bis 2016 nicht lösen", so Liebel. Zudem, führt der Soziologe an, werde Arbeit von Kindern fälschlicherweise durchweg negativ definiert. "Der belastete Begriff ,Kinderarbeit' vernebelt uns die Hirne", stellt Liebel hierzu fest.

Dass die weltweite Ächtung der Kinderarbeit auch von denen skeptisch gesehen wird, die sie angeblich schützen soll - den Kindern vornehmlich in Ländern des globalen Südens -, machte auf der Pressekonferenz die 14-jährige Nicaraguanerin Francis Estefania Zeas deutlich: "Die arbeitenden Kinder in meinem Land erhalten nur sehr wenig Aufmerksamkeit seitens der Regierung. Die Regierung verlangt, dass die Kinder nicht arbeiten, gibt den Müttern und Vätern allerdings keine Unterstützung", kritisiert die Jugendliche, die in ihrer Heimatstadt Jinotega durch ihre Arbeit zum Unterhalt der Familie beiträgt und ihren Schulbesuch finanziert. "Die Regierung müsste, wie überhaupt die Regierungen in der Welt, dafür sorgen, dass Eltern für ihre Arbeit angemessene Löhne erhalten", fordert Francis Estefania Zeas, die sich als Nachwuchsjournalistin für die Rechte von Kindern in ihrem Land engagiert. "Für arbeitende Kinder müssen darüber hinaus bessere Bedingungen geschaffen werden: Sie müssen gerechte Löhne bekommen und die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrer Arbeit zur Schule zu gehen."

Ein gerechter Handel mit Waren aus Kinderhand wäre nach Ansicht von ProNATs und der Christlichen Initiative Romero ein sinnvoller Schritt, um die wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen: Kooperativen bieten arbeitenden Kindern in den Ländern des Südens einen Rahmen, in dem sie ohne Ausbeutung, selbstbestimmt und sicher arbeiten - und zur Schule gehen können. Solche Kinderkooperativen, in denen Kinder weitgehend selbst über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden, gibt es bereits in Peru, Kolumbien und anderen Ländern. Für ihre vielfältigen Produkte suchen sie AbnehmerInnen, die einen fairen Preis zahlen. Der Faire Handel ist nach Ansicht von ProNATs und Christlicher Initiative Romero hierfür geradezu prädestiniert. Das Problem hierbei: Ein Markenzeichen des gerechten Handels in Deutschland ist bislang ein Verkaufssortiment, das Produkte aus Kinderhand ausschließt. Der Faire Handel in Deutschland solle, so die Forderung der beiden entwicklungspolitischen Organisationen, dahingehend neue Positionen erarbeiten, um Kindern in Ländern des Südens ein Arbeiten in Würde zu ermöglichen.

Kontaktpersonen für MedienvertreterInnen:

Johanna Fincke, Christliche Initiative Romero (CIR), mobil 01 60 / 97 68 95 03

Prof. Dr. Manfred Liebel, European Network of Masters in Children's Rights (ENMCR), mobil 01 77 / 3 23 78 53

Pressekontakt:

André Hagel
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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