Experten uneins bei der Frage nach gutem Journalismus in Krisenzeiten
Leipzig (ots) - In einer Diskussion beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland sagte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel: "Das Fernsehen braucht guten Journalismus." Dem stimmten Bettina Schausten vom ZDF, Peter Limbourg von N24/Sat.1, Medienberater Prof. Dr. Günter Struve und Prof. Dr. Norbert Schneider von der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen zwar zu. Doch die Meinungen gingen schnell auseinander. So erklärte Schausten, den besten TV-Journalismus gebe es bei ARD und ZDF. Dort seien die Bedingungen am besten und das Selbstverständnis ein anderes. Diese guten Bedingungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk seien aber auch eine Verpflichtung, gute Arbeit abzuliefern. Peter Limbourg von N24/Sat.1 entgegnete, auch bei den Privaten gebe es gute Journalisten. Peter Kloeppel fügte hinzu, wenn man sich das Nachmittagsprogramm der Öffentlich-Rechtlichen anschaue, frage man sich schon, wo da die Information bleibe. Insofern seien die Angriffe der Öffentlich-Rechtlichen auf die Privaten nicht berechtigt.
Struve betonte, guter Journalismus funktioniere um so besser, desto stärker er in ein Vollprogramm eingebettet sei. "Nur durch das Einbetten in unterhaltende und eben nicht notwendigerweise seichte Formate, haben Informationsformate eine Chance." Ein Beispiel sei die Tagesschau am Samstag, die unmittelbar an die Sportschau mit der Fußball-Bundesliga gekoppelt sei. Bei ARD und ZDF liege der Informationsanteil bei 40 Prozent. Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Norbert Schneider, sagte, aus den Reihen der Privaten sei die sehr bedenkliche Aussage gekommen, Nachrichten seien nichts fürs Publikum, sondern etwas für Politiker. "Nach meiner Vorstellung muss sich ein privates Vollprogramm schon ein paar Nachrichtenredakteure leisten." Nachrichten gehörten zu dem, was in Deutschland Rundfunk definiere. Solange die Privaten Gewinne verkündeten, sollten sie auch mehr für Nachrichten ausgegeben.
Peter Limbourg erklärte, derzeit werde bei N24 diskutiert, wie viel Geld für Nachrichten ausgegeben werden solle. "Man kann sich seine Eigentümer nicht selber aussuchen." Gewinninteressen seien aber legitim. Sein Anliegen, so Limbourg, sei es, den Vorstand dazu zu bringen, dass im Informationsbereich nicht eingespart werde. Grundsätzlich sollten die Privaten ihre Nachrichten selbst produzieren. Das Abendland breche aber auch nicht zusammen, wenn Nachrichten zugeliefert würden. Peter Kloeppel betonte, in der Wirtschaftskrise müsse sich jedes Unternehmen fragen, wie viel Geld ausgegeben werden könne. "Wir sind nicht wie das Goldmariechen." Der Erfolg von RTL belege aber, dass an der richtigen Stelle gespart worden sei. Struve fügte hinzu: "Gespart werden muss auch bei den Öffentlich-Rechtlichen." Das sei gar keine Frage und auch bereits geschehen.
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