In der Krise auf das Wesentliche konzentrieren

Leipzig (ots) - Die wirtschaftliche Krise und der Umbruch in der Medienlandschaft sind für die etablierten Anbieter vor allem eine Herausforderung. Das hat der Vorstandsvorsitzende und Präsident des VPRT, Jürgen Doetz, am Mittwoch beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig gesagt - unter Zustimmung des gesamten Podiums. Weniger Beifall fand seine Feststellung, dass es für die Öffentlich-Rechtlichen ohnehin keine Krise geben könne, sie seien durch die Gebührenmilliarden gesichert. Den Privaten dagegen würden jetzt die Werbeerlöse weg brechen. Dem hielt ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter die wiederholten Erfolge zum Beispiel von RTL und ausgeschüttete Dividenden entgegen. "Die öffentlich-rechtlichen Anstalten und die Privaten sind in der Summe finanziell ähnlich gut ausgestattet", sagte er.

Ohne wirkliches Ergebnis blieb die Diskussion in der Frage der Qualität. Schächter stellte fest, dass darüber mal mehr und mal weniger diskutiert wird. Doetz sieht an dieser Stelle vor allem die Öffentlich-Rechtlichen in einer Bringpflicht. Geschäftsführer VOX Film- und Fernseh- GmbH & Co. KG, Frank Hoffmann, bezeichnete die Dramaturgie als wichtigstes Qualitätskriterium: "Fernsehen muss gute Geschichten erzählen", sagte er. Das gelte für Filme genauso wie für Shows wie DSDS oder Reality-TV. "Die Fernsehzuschauer entscheiden sich in jeder Sekunde, deshalb müssen wir alle Qualität liefern", betonte Hoffmann.

Nach Ansicht von MDR-Intendant Prof. Dr. Udo Reiter ist die Qualitätsdiskussion weit verzweigt. "Die Kriterien für Qualität sind nur schwer dingfest zu machen", sagte er. Einen Zusammenhang zwischen Krise und Qualitätsdiskussion sieht Reiter nicht. Im Übrigen habe die gegenwärtige Diskussion über Qualität im Fernsehen keine hohe Qualität. "Das läuft eher auf Comic-Niveau", so Reiter. Sein SWR-Kollege Peter Boudgoust, derzeit auch Vorsitzender ARD, erwartet nun eine neue Ernsthaftigkeit in der Diskussion. Dabei gibt es seiner Meinung nach aber keinen Gegensatz zwischen Qualität und Quote. "Qualität beginnt für mich bei der Qualität meiner Mitarbeiter", sagte Boudgoust.

Der sächsische Staatskanzleichef und Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Dr. Johannes Beermann, bezeichnete die Krise als Chance für die Qualität. "Es ist jetzt Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren", sagte er. Bezogen auf ARTE, in dessen Programmbeirat er sitzt, sprach Beermann von anderen Kulturbegriffen und Qualitätsmaßstäben der französischen Kollegen: "Sie sagen, Hauptsache der Film ist schön, egal, ob ihn jemand sieht". Der Thüringer Medienminister Gerold Wucherpfennig schließlich bezeichnete die Diskussion als abstrakt, an deren Ende man nicht klüger sein werde.

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