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Filmregisseur Woody Allen: "Ich bin ein ewiger Romantiker"

Gütersloh (ots) - Der 80-Jährige spricht im Lufthansa Magazin über seine Sehnsuchtsorte in Europa, seine Arbeitsweise als Regisseur und den Umgang mit Kritik

Der Filmregisseur Woody Allen ist fasziniert von Europa. "Ich habe seit vielen Jahren eine sehr romantische Einstellung zu Europa", sagte Allen im Interview mit dem Lufthansa Magazin (Ausgabe 11/2016). "Amerikaner denken gerne, das sei ein geheimnisvoller, kulturell und sexuell fortschrittlicher Ort, der sie für immer verändern wird." Diese Sicht hätten ihm europäische Filme vermittelt, die er in seiner Jugend gesehen habe. "Die waren alle origineller, gewagter und freizügiger als das, was aus den USA kam. An diesem Glauben habe ich festgehalten. Falls das nicht stimmen sollte, dann verraten Sie's mir bloß nicht. Denn ich bin ein ewiger Romantiker."

Allen, dessen neue Komödie "Café Society" ab dem 10. November in den deutschen Kinos zu sehen ist, erzählte auch von seinen Sehnsuchtsorten: "Einer davon ist Stockholm. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort mehrere Monate zu leben. Das Problem ist: Ich brauche die Idee für eine Geschichte, die dort spielt."

Die Frage, ob Reisen an Sehnsuchtsorte auch eine Flucht vor der Realität seien, beantwortete Allen mit der für ihn typischen Skepsis: "Ja und nein. Natürlich ist man zuerst von der Schönheit solcher Orte überwältigt: Oh, mein Gott, dieser Strand, die Menschen, die Vegetation, das ist großartig! Für andere wäre das ein Beweis dafür, dass das Leben nicht so schlecht sein kann. Aber mir ist klar: Dieser Moment ist gleich wieder vorbei. Und dann beginnen wieder die Sorgen, Probleme und Herzschmerzen. Überall kann dir was Schlimmes passieren. Ich kann mir nicht helfen, so denke ich."

Zu seiner Arbeitsweise als Regisseur sagte Allen gegenüber dem Lufthansa Magazin, er gebe seinen Schauspielern grundsätzlich wenig Anweisungen: "Ich heuere tolle Leute an. Wenn sie kommen, dann haben die ihre Hausarbeiten gemacht. Natürlich mag jemand mal einen Fehler machen, dann korrigiere ich. Aber in 90 Prozent aller Fälle beschränken sich meine Anweisungen auf 'Könntest du ein bisschen mehr machen? Oder weniger und dafür realistischer?'"

Für seine Filme erwartet der Routinier keine besondere Anerkennung: "Deshalb lese ich auch keine Kritiken, seit vielen Jahren schon nicht. Denn wie sollte ich damit umgehen? Wenn die Leute einen Film mögen, würde ich denken: 'Ich muss jetzt wieder so einen Film machen.' Wenn er verrissen wird, dann würde mich das blockieren: 'So etwas darf ich nicht wieder schreiben.' Nein, ich schreibe, drehe, bringe den Film heraus und schaue ihn mir nie wieder an. Und niemand braucht mir zu sagen, was er dazu meint."

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