Freie Ärzteschaft e.V.

Gröhes Notdienstgesetz gefährdet Überleben der Arztpraxen

Hamburg (ots) - Die medizinische Notfallbehandlung ist aus den Fugen geraten. Sogenannte Portalpraxen an Kliniken als erste Anlaufstelle für Notfallpatienten sollen es richten und die niedergelassenen Ärzte sollen das bezahlen. So will es Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gesetzlich verankert haben. Für die Freie Ärzteschaft (FÄ) ist das völlig inakzeptabel. "Mit den Portalpraxen wird die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung der niedergelassenen Ärzte ausgeräubert", kritisierte Dr. Silke Lüder, Vizevorsitzende der FÄ, am Montag in Hamburg. "Die Regierung lässt keine Gelegenheit verstreichen, die freiberuflichen Ärzte und die ambulante Medizin weiter ausbluten zu lassen."

Nach dem Willen der Politik sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen dafür sorgen, dass parallel zu den Klinikambulanzen solche Portalpraxen in den Kliniken entstehen, die echte und "unechte" Notfälle sortieren. "Die Behandlungen dort müssen die Kassen aber zusätzlich bezahlen", fordert FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich. "Die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung darf nicht angetastet werden. Sie finanziert die ambulante Medizin in den Arztpraxen - und das ohnehin schon mehr schlecht als recht." Außerdem müsse das Prinzip der gleichen Honorierung für Notfallbehandlungen in Praxen und Klinken gelten, da die Patienten identisch behandelt würden. Und Dietrich gibt zu bedenken: "Die Portalpraxen verstoßen gegen das Prinzip ambulant vor stationär und verteuern die Medizin durch Initiierung unnötiger Krankenhausaufenthalte."

FÄ-Vize Lüder stellt fest: "Die Lobby der großen, international agierenden Klinikkonzerne hat sich offensichtlich bei der Politik durchgesetzt. Die Kliniken wollen sich eine lukrative Einnahmequelle erschließen." Dass dies zulasten der Arztpraxen gehen könnte, davor hat die Freie Ärzteschaft schon beim vergangenen Ärztetag im Mai in Frankfurt am Main gewarnt. Im Gespräch seien nun 128 Euro pro ambulanten Notfall in der Klinik. "Die Rechnung", so Lüder, "ist ganz einfach: Je mehr Patienten mit medizinischen Notfällen - die häufig auch in der Regelversorgung behandelt werden könnten - in die Portalpraxen an den Kliniken strömen, desto mehr Geld fließt aus dem gedeckelten Topf der Arztpraxen in die Kliniken." Schon in den vergangenen Jahren seien steigende Kosten in den Klinikambulanzen über den Weg der Regelleistungsvolumina zulasten der ambulanten Medizin in den Arztpraxen gegangen.

Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

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