Globale Edelman-Studie zeigt Vertrauensschwund in die großen Institutionen
Meinungsführer ändern ihre Informationsbeschaffung

    New York/Frankfurt (ots) - Meinungsführer in USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Brasilien, China und Japan misstrauen Regierung, Wirtschaft und Medien - und setzen mehr auf persönliche Informationsquellen und individuelle Netzwerke, um Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Das sechste Edelman Trust-Barometer, eine jährliche Umfrage unter 1.500 Meinungsführern, die nächste Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wird, fand heraus, dass

    - "Menschen wie du und ich" als Empfehler einen starken Glaubwürdigkeitszuwachs verzeichnen, sowohl in den USA (von 22 Prozent im Januar 2003 auf 56 Prozent im Januar 2005) als auch in Europa (von 33 Prozent im Januar 2003 auf 53 Prozent im Januar 2005);

    - die glaubwürdigsten Fürsprecher unabhängige Personen ohne Interessensverknüpfung mit dem Unternehmen sind, wie Ärzte mit durchschnittlich 56 Prozent, Wissenschaftler (49 Prozent), "Menschen wie du und ich" (49 Prozent) und Vertreter von NGOs (47 Prozent);

    - weniger als ein Drittel der Meinungsführer in den USA, Europa und Japan Vertrauen in die Aussagen von CEOs oder CFOs haben;

    - das Internet als erste Informationsquelle in den letzten zwölf Monaten signifikant an Bedeutung gewonnen hat - von 12 auf 19 Prozent in den USA, von 9 auf 13 Prozent in Europa

    - NGOs mittlerweile in allen Märkten außer China die vertrauenswürdigste Institution sind - und insbesondere in den USA deutlich an Vertrauen zugelegt haben (von 36 Prozent in 2001 auf 55 Prozent in 2005)

    - neun von zehn Meinungsführern in allen Märkten der Medienberichterstattung mehr Glauben schenken als der Werbung und 80 Prozent der Befragten Informationen zunächst über zweite oder dritte Quellen nachprüfen.

    "Die kontinuierliche Aneinanderreihung von Wirtschafts- und Politikskandalen hat in dramatischer Weise die Informationsbeschaffung von Meinungsführern beeinflusst", kommentiert Richard Edelman, President und CEO von Edelman weltweit, die Ergebnisse. "Der Vertrauensverlust bei gleichzeitiger Demokratisierung von Informationen fordert Unternehmen heraus, ihre Kommunikationsstrategien radikal zu überdenken. Vertrauen kann man nicht über Corporate Advertising kaufen. CEOs müssen ihre Stakeholder in individueller Weise über direkten Dialog erreichen - Internet, Mitarbeiter und glaubwürdige Dritte sind die Informationsquellen der Zukunft", sagt Edelman weiter.

    Deutschland zeigt niedrigste Vertrauenswerte im Ländervergleich Mit nur 19 Prozent Vertrauen in die Regierung belegt Deutschland mit Abstand die letzte Position im Ländervergleich. Auch im Hinblick auf das Vertrauen in die Unternehmen liegt Deutschland hinten. Nur 33 Prozent vertrauen ihren Wirtschaftsführern, immerhin sechs Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Im Gegensatz dazu erfreuen sich Unternehmen in Brasilien des Vertrauens von 67 Prozent der Befragten, in den USA von 48 Prozent.  Edelman Deutschland-Geschäftsführerin Cornelia Kunze: "Es ist Fakt, dass Unternehmen auf dem deutschen Markt härter für Vertrauen werben müssen als auf anderen Märkten - unabhängig davon, ob ihr Headquarter deutsch ist oder nicht."

    Amerikanische Unternehmen leiden weltweit unter Vertrauensabschlag/ Technologie-Unternehmen vorne Politische Einstellungen beeinflussen Kaufentscheidungen. 61 Prozent der französischen und 49 Prozent der deutschen Meinungsführer geben an, dass die Bush-Regierung ihre Kaufentscheidung gegen amerikanische Produkte beeinflusst. Ebenso haben es Unternehmen mit einem US-Headquarter in Europa und Kanada deutlich schwerer, so z. B. Coca Cola (69 Prozent in den USA vs. 45 Prozent in Europa und 46 Prozent in Kanada), McDonald's (58 Prozent vs. 25 Prozent vs. 35 Prozent) oder Procter & Gamble (74 Prozent vs. 44 Prozent vs. 49 Prozent). Große Nicht-US-Unternehmen verzeichnen dagegen auf allen Märkten mehr oder weniger stabile Vertrauenswerte, so z. B. Siemens (USA 57 Prozent vs. Europa 60 Prozent) oder Shell (US 46 Prozent vs. Europa 40 Prozent).

    Technologie-, IT- und Elektronikunternehmen verzeichnen weltweit im Branchenvergleich die höchsten Vertrauenswerte (Microsoft, Sony, Samsung, IBM etc.) - unabhängig vom Sitz ihres Headquarters.

    Persönliche Netzwerke und Experten sind glaubwürdigste Informationsquellen / Internet auf dem Vormarsch Die Einstellungen gegenüber den verschiedenen Informationsquellen divergieren stark zwischen den Märkten. Während die USA, Brasilien und China den großen Institutionen (Wirtschaft, Regierung, Medien) mehr Vertrauen schenken, vertrauen Europäer, Japaner und Kanadier stärker auf persönliche Netzwerke und Experten. Vorstände und Geschäftsführer, Public Relations Vertreter und Celebrities besetzen die unteren Plätze im Glaubwürdigkeitsvergleich. Ärzte, Wissenschaftler und Freunde stehen ganz oben.

    Wenngleich das Fernsehen als erste verlässliche Informationsquelle in vielen Märkten, auch in Deutschland, auf Platz 1 rangiert, holt das Internet auf: In Deutschland geben mittlerweile 16 Prozent der Meinungsführer das Internet als erste Informationsquelle an (vs. 9 Prozent im Vorjahr). Als vertrauenswürdigste Medienquelle werden in allen Ländern vor allem die lokalen Medien genannt. "Die Zentralisierung der Unternehmenskommunikation im globalen Headquarter ist keine Option für den Vertrauensaufbau. Wer lokale Medien, lokale Sprecher und Stakeholder vernachlässigt, kann keine vertrauensvollen Beziehungen aufbauen", sagt Cornelia Kunze.

    Über das Edelman Trust-Barometer:

    Die sechste Umfrage zu "Vertrauen und Glaubwürdigkeit" wurde von Strategy One durchgeführt, einem Marktforschungsunternehmen, das zur Edelman-Gruppe gehört. Im Dezember 2004 wurden 400 Telefoninterviews in den USA, 450 in Europa (jeweils 150 in Deutschland, Frankreich, Großbritannien), 200 in China, 150 in Brasilien, 150 in Kanada und ebenfalls 150 in Japan durchgeführt. Die befragten Meinungsführer waren zwischen 35 und 64 Jahren alt, hatten einen Hochschulabschluss und ein Haushalts¬einkommen von mehr als 75.000 US$. Die Interviews dauerten im Durchschnitt 25 Minuten.

    Über Edelman:

    Edelman ist die sechstgrößte PR-Agenturgruppe und mit 1.800 Mitarbeitern in 39 Büros das größte unab¬hängige PR-Unternehmen weltweit. Deutschland agiert Edelman an den Standorten Frankfurt, Hamburg und München und bietet besondere Expertise in den Bereichen Corporate und Financial Communications, Healthcare, Consumer Marketing und Technology. Kunden sind unter anderem H.J. Heinz, InFocus, Janssen-Cilag, Unilever, Lavazza, Masterfoods, Microsoft, CNBC Europe, Novartis, Pfizer und Unilever.

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