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WAZ: Merkel redet - andere handeln - Kommentar von Frank Preuß zur Balkanroute

Essen (ots) - Es kann nicht sein, dass irgendetwas geschlossen wird, hat Angela Merkel vor dem EU-Gipfel am Montag gesagt. Und bei allem Pragmatismus, der die Kanzlerin auszeichnet: Es klang so, als stampfe sie mit dem Fuß auf, als könne nicht sein, was nicht sein darf. Doch während sie ihre Parole jedem Mikrofon anvertraute, schafften die betroffenen EU-Kollegen Fakten: Die Balkanroute ist seit gestern dicht, und wen sollte es in Mazedonien oder Slowenien auch scheren, dass es Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gelungen war, diesen Satz in der Erklärung des Gipfels gerade noch zu verhindern?

Pure Kosmetik und im deutschen Fall auch ein Stück Augenwischerei, um die Haltung wenigstens öffentlich zu wahren: Hatte nicht "Mama Merkel" höchstselbst vor einer Woche die "Politik des Durchwinkens" für beendet erklärt und den Asylsuchenden an der griechisch-mazedonischen Grenze zugerufen, sie könnten sich das EU-Land nicht aussuchen? Merkel hat vor der beschämenden Blockadepolitik und Festungsmentalität der Nachbarn kapitulieren müssen: Von gerechter Verteilung ist keine Rede mehr, stattdessen wird Griechenland zum riesigen Flüchtlingslager umgebaut.

Aberwitzig ist die Annahme, die Grenzschließung werde Eindruck auf die Flüchtlinge machen. Die Schrecken, denen sie entkommen, sind größer als die Angst vor neuen gefährlichen Routen. Es wird noch mehr Tote geben. Europa zeigt sein hässliches Gesicht und zertrümmert seine Werte.

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