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WAZ: Die Normalität der Einheit. Kommentar von Andreas Tyrock zum 25. Jahrestag

Essen (ots) - Ja, es gibt noch Ressentiments zwischen Deutschland West und Deutschland Ost. Ja, es gibt noch Vorbehalte zwischen "uns" und "denen", wobei die Definition von "wir hier" und "die dort" naturgemäß vom jeweiligen Standort abhängt. Und ja, man kann Beispiele finden, die belegen sollen, dass noch nicht endgültig zusammengewachsen ist, was zusammengehört. Doch unterm Strich darf es keine zwei Meinungen geben über die Bilanz nach 25 Jahren Einheit: Deutschland hat die historische Chance bekommen, aus zwei Staaten einen gemeinsamen zu formen. Und Deutschland hat diese Jahrhundertaufgabe gemeistert. Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen vor 25 Jahren waren enorm. Der Eiserne Vorhang hatte nach vier Jahrzehnten seine Spuren hinterlassen: unterschiedliche Sozialisationen, unterschiedliche Hoffnungen und Ängste, unterschiedliche wirtschaftliche Voraussetzungen, sicherlich auch Unterschiede im Demokratieverständnis, zudem nicht verheilte Wunden nach persönlichen Schicksalsschlägen, die aus der Trennung Deutschlands oder aus dem Erlebten im Unrechtsstaat DDR resultierten. Als die Grenze fiel, lagen sich die Menschen in den Armen, trunken vor Glück. Die Ernüchterung kam in Schüben. Der Aufbau musste finanziert werden, die Erwartungshaltung im Osten war riesig und konnte vielerorts nur enttäuscht werden. Und im Westen machte sich der Eindruck breit, als Goldesel missbraucht zu werden, um für die Sünden aus 40 Jahren DDR herzuhalten. Fernab von der Bedeutung politischer Entscheidungen, die in dem Vierteljahrhundert größtenteils richtig und zum Teil falsch waren, kann ein derart komplexer Einigungsprozess nur gelingen, wenn die Menschen ihn erfolgreich gestalten wollen. Wenn sie ihn gemeinsam leben. Die Einheit spielt im Alltag keine Rolle mehr, was das entscheidende Indiz für den gelungenen Prozess ist. Sie wird eigentlich nur thematisiert, wenn ein Jubiläum ansteht. Oder wenn es Streit um den Soli gibt. Aber auch hier wird es eine Lösung geben - eine gemeinsame.

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