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WAZ: Schicksalsfrage für die Region. Kommentar von Stefan Schulte zur Stadtwerke-Krise

Essen (ots) - Wenn bei den Stadtwerken und der Steag die Gewinne schrumpfen, wenn der RWE-Aktienkurs mal wieder einbricht, handelt es sich um brisante Finanznachrichten, die Experten alarmieren, aber nicht wirklich zum Stadtgespräch taugen. Noch nicht. Sollten im Nachgang solcher Meldungen dereinst steigende Buspreise oder geschlossene Schwimmbäder genannt werden, könnte sich das ändern. Die multiple Abhängigkeit der Ruhrgebietsstädte von der Energiewirtschaft, insbesondere der konventionellen Stromerzeugung, hat der Region jahrzehntelang mehr Vor- als Nachteile gebracht. Die RWE-Dividende war eine verlässliche wie üppige Einnahmequelle vieler Städte, ebenso die Steag-Beteiligung, und die eigenen Stadtwerke haben viele kommunale Leistungen überhaupt noch am Laufen gehalten, darunter auch den Nahverkehr. Dass besonders die Kohleverstromer unter den Folgen der Energiewende würden leiden müssen, hätte man ahnen können und früher umsteuern müssen. Und dass ausgerechnet das Ruhrgebiet, das so lange mit seinem Kohlenstaub-Image gehadert hat, nun wieder um den Erhalt einer wenig umweltfreundlichen Technologie kämpft, stößt außerhalb dieser Region auf wenig Verständnis geschweige denn Mitleid. Nur lehrt die bittere Analyse leider wenig Brauchbares für die Zukunft. Die beispiellose Verstrickung unserer Städte in den Krisenmodus der Stromindustrie lässt sich nicht über Nacht auflösen. Jedenfalls nicht von Kommunen, die nicht mehr Herr ihrer eigenen Haushalte sind. Fallen RWE-Dividenden und Gewinnausschüttungen der Steag und der Stadtwerke weg, wird das nicht ohne Konsequenzen für die verbliebenen öffentlichen Einrichtungen und damit für die Bürger bleiben. Viele Nahverkehrsbetriebe hängen am Tropf der Stadtwerke - kaum auszudenken, was passiert, wenn die Quersubventionen wegfallen. Einen Plan B hat niemand. Deutschlands Energieregion Nummer eins zu sein, wird für das Ruhrgebiet zum unkalkulierbaren Risiko. Wie die Energiewende gemanagt wird, ist die Schicksalsfrage für das Revier.

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