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WAZ: Grillo wünscht sich Anreize für Rente mit 70 - BDI-Präsident gegen Steuersenkungen und für Investitionsoffensive

Essen (ots) - Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, plädiert für eine flexiblere Rente. Im Gespräch mit der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Samstagausgabe) sprach sich Grillo dafür aus, finanzielle Anreize für Beschäftigte zu schaffen, die erst mit 70 Jahren in Rente gehen wollen. "Wir sollten über Modelle nachdenken, die dazu beitragen, dass die Menschen länger im Arbeitsleben bleiben wollen und dafür natürlich angemessen honoriert werden", sagte der BDI-Präsident. "Auf motivierte Mitarbeiter sollten wir nicht verzichten müssen. Es gibt auch solche, die erst mit 70 Jahren in Rente gehen wollen." Zugleich kritisierte Grillo die von der Großen Koalition beschlossene Rente mit 63. "Sie sendet das falsche Signal und stellt manche Betriebe vor riesige Probleme. Oft gehen wertvolle Fachkräfte verloren, deren Erfahrung nicht leicht zu ersetzen ist." Neben der Rente mit 63 sieht der BDI auch den Mindestlohn kritisch. "Zu Beginn der Großen Koalition ist viel passiert, was der Wirtschaft nicht gefallen hat", sagte Grillo. "Der Mindestlohn wird die deutsche Wirtschaft nicht vor die Wand fahren, aber er ist schon ein erheblicher Bremsklotz." Die Situation unterscheide sich allerdings je nach Branche und Region sehr. Grillo kritisierte, durch den gesetzlichen Mindestlohn werde das deutsche Erfolgsmodell der Sozialpartnerschaft in Frage gestellt. "Das Land ist bisher gut damit gefahren, Löhne und Gehälter durch Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgeber auszuhandeln." BDI-Präsident Grillo forderte auch eine bundesweite Investitionsoffensive in der Nachfolge zum Soli. "Es ist gut, dass der Soli in seiner derzeitigen Ausgestaltung zeitlich befristet ist - auch aus ordnungspolitischen Gründen. Aber wir sollten uns Gedanken darüber machen, was danach kommt", sagte Grillo der WAZ. "Wir brauchen eine Investitionsoffensive für ganz Deutschland." Gerade in Nordrhein-Westfalen gebe es viele Regionen mit großem Bedarf. "Auch darüber hinaus gibt es viel zu tun, um Straßen, Brücken und Schienen zu modernisieren oder auszubauen. Ich denke auch an den großen Investitionsbedarf für neue Stromnetze oder die Versorgung mit schnellem Internet durch moderne Breitbandkabel." Grillo forderte eine langfristige Investitionsstrategie. "Dass Finanzminister Schäuble zehn Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren investieren will, ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber nicht aus", betonte der BDI-Präsident. "Bei einem Staatshaushalt mit einem Volumen von rund 790 Milliarden Euro müssen zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur möglich sein, ohne das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts aus den Augen zu verlieren. Es geht darum, das Land langfristig zukunftsfähig zu machen. Investitionen, die wir jetzt tätigen, zahlen sich in einigen Jahren als Dividende aus." Steuersenkungen erteilte Grillo eine Absage. "Steuersenkungen oder der Abbau der kalten Progression sind derzeit nicht unsere Priorität. Jetzt sollte es um Zukunftsinvestitionen gehen. Wenn wir heute die richtigen Schritte Richtung Wachstum gehen, schaffen wir die Voraussetzungen für Steuerentlastungen in der Zukunft." Der BDI als Spitzenverband der deutschen Industrie repräsentiert die politischen Interessen von mehr als 100000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten. Der Duisburger Familienunternehmer Ulrich Grillo steht seit Anfang 2013 an der Spitze des Verbands.

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