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WAZ: Putins Zwischenspiel - Kommentar von Stefan Scholl

Essen (ots) - Es ist noch keine zwei Wochen her, da verhandelten die beiden Staatschefs Petro Poroschenko und Wladimir Putin den Ukraine-Krieg in der weißrussischen Hauptstadt Minsk unter vier Augen, stundenlang.

Das Ergebnis dieses Gesprächs scheint dem russischen Präsidenten aber nicht wirklich gefallen zu haben. Schon unmittelbar nach diesem Treffen starteten die pro-russischen Rebellen in der Ostukraine eine Großoffensive. Diese Offensive eilte zwei Wochen von Sieg zu Sieg, angetrieben allerdings mit den Pferdestärken und der Feuerkraft jener russischen Panzer, die die Grenze zur Ukraine in sehr langen und nicht mehr wegzuleugnenden Kolonnen überquerten.

Gestern aber erstaunte Kremlchef Putin die Weltöffentlichkeit erneut. Eine von Poroschenko angekündigte Waffenruhe ließ er zunächst noch kurz und knapp dementieren. Aber dann lieferte er selbst das Kleingedruckte zum angestrebten Ende der blutigen Kämpfe im Donbass nach. Aus Moskau kamen aber eher technische Anweisungen, die nichts sagen über die möglichen Inhalte einer künftigen Friedensvereinbarung.

Aber das blutige Zwischenspiel sagt einiges aus über Putins moralische - oder machiavellistische - Befindlichkeit. Es ist offenbar, dass der russische Präsident seine Panzer losgeschickt hat, um neue Verhandlungen zu seinen Bedingungen zu erzwingen. Und nicht nur die bedrängten Ukrainer haben jetzt das volle Recht, sich darüber zu empören.

Trotzdem hat Putin diesmal auch eine positive Nachricht geliefert: Er ist noch nicht zum Freak, zum Größenwahnsinnigen geworden. Denn sein Kalkül scheint zwar skrupellos zu sein, es folgt aber doch einer gewissen Logik.

Und Europa, das sich nie wirklich mit der Ukraine solidarisiert hat, darf hoffen, dass sich ein leidlicher, kostengünstiger Verhandlungsfrieden anbahnt. Bloß wäre es dumm, wenn sich auch die neue Waffenberuhigungsinitiative nur als Zwischenspiel entpuppt, dem Russland in den kommenden Tagen und Wochen die nächste Militäreskalation folgen lässt.

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