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WAZ: Siemens in den Fängen Hollandes. Kommentar von Frank Meßing

Essen (ots) - Mitten in der Auftragsflaute im Kraftwerksgeschäft will Siemens-Chef Joe Kaeser bis zu elf Milliarden Euro auf den Tisch legen, um dem Erzrivalen General Electric den französischen Konzern Alstom wegzuschnappen. Das kann man mutig nennen, zumal bei Siemens gerade ein sechs Milliarden Euro schweres Sparprogramm läuft, das auch Arbeitsplätze kostet. Die Verunsicherung, die die Übernahmeschlacht bei den Siemensianern im Ruhrgebiet ausgelöst hat, ist verständlich. Siemens baut Dampfturbinen und Generatoren. Alstom ebenfalls, wenngleich in viel kleinerem Umfang. Zu wessen Lasten die erhofften Synergien gehen, muss sich erst noch zeigen. Aus dem letzten großen Deal jedenfalls, als Siemens 1997 den US-Wettbewerber Westinghouse schluckte, gingen der Münchener Konzern und das Mülheimer Werk als Gewinner hervor, weil sie Zugang zum lukrativen US-Markt bekamen. Jetzt begibt sich Kaeser in die Fänge der Politik und Präsident Hollandes, ohne die in Frankreich kein Milliardengeschäft funktioniert. Das ist ebenso ein Risiko wie die schwache Profitabilität von Alstom. Dafür kann sich der Siemens-Chef jedoch Hoffnung machen, das kränkelnde ICE-Geschäft loszuwerden.

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