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WAZ: Der Fall eines Bischofs. Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Nun ist es also amtlich: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darf nicht in sein Limburger Bistum zurückkehren. Der Papst hat erkannt, dass es für den umstrittenen Oberhirten dort keine Zukunft mehr geben kann. Roma locuta, causa finita, sagt man im Vatikan. Rom hat gesprochen, die Sache ist beendet. Aber ist sie das wirklich? Für Tebartz-van Elst schon; aber der Bischof hat mit seinem überdimensionierten Amtssitz, mit seiner arroganten und überheblichen Art viel Porzellan zerschlagen und viele deutsche Katholiken weit über Limburg hinaus vor den Kopf gestoßen. Der Schaden für die Kirche ist beträchtlich. Vertrauen ist schnell verloren, aber dieses Vertrauen zurückzugewinnen ist ungleich schwieriger. Franziskus hat dies erkannt und die Notbremse gezogen. Seine Entscheidung ist konsequent. Es wird in den nächsten Monaten spannend sein zu beobachten, wen der Papst als Nachfolger von Tebartz-van Elst nach Limburg entsenden wird. Denn es geht um mehr als nur um eine Personalie in einer von insgesamt 27 Diözesen im Lande. Ob Franziskus das will oder nicht - seine Entscheidung über den künftigen Bischof wird auch als inhaltliche Richtungsentscheidung aufgenommen werden. Folgt etwa auf den erzkonservativen Tebartz-van Elst ein eher liberaler Mann, so wäre dies mehr als ein Zugeständnis des Vatikans an die Limburger Katholiken. Es würde auch als Hinweis verstanden, dass es der Papst ernst meint mit seinem neuen Kurs.

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