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WAZ: Deutschland wagt ein Experiment - Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Niemand missgönnt einem Arbeiter ein anständiges Auskommen, jeder unterschreibt, dass man von seiner Hände Arbeit leben können muss. Die Große Koalition hat nun beschlossen, dieser Wunschvorstellung über den Mindestlohn ein Stück näher zu kommen. Und doch ist es ein großes Experiment, das schiefgehen kann.

Weil es durchaus sein kann, dass Jobs zu 8,50 Euro pro Stunde verschwinden, weil Unternehmen sie nicht bezahlen können. Nun könnte man argumentieren, solche Jobs seien unwürdig. Aber was ist unwürdiger: gar kein Job und komplett auf Hartz IV angewiesen zu sein oder eben nur zum Teil.

Andererseits gibt es sicherlich ausbeuterische Unternehmen, die prächtige Gewinne machen und nur deshalb sechs Euro in der Stunde bezahlen, weil der Staat den Rest blecht. Hier wäre der Mindestlohn ein treffliches Instrument. Das Dumme an flächendeckend ist eben: Man trifft nicht immer die Richtigen.

Das zeigt im Übrigen die Debatte um die Ausnahmen. Soll er nun ab 18, 21 oder 25 gelten, oder was ist mit bewährten Bezahlsystemen nach Stück- statt Stundenlöhnen? Deutschland wagt ein Experiment.

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