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WAZ: Hoeneß, das Recht und die Moral. Kommentar von Ulrich Reitz

Essen (ots) - Gerechtigkeit lässt sich weder messen noch wiegen. Mehr noch: Für Gerechtigkeit hat ein jeder seine eigene Waage in der Küche. Ob das Urteil gegen Uli Hoeneß gerecht ist, darüber haben schon der Angeklagte und sein Richter unvereinbare Meinungen. Hoeneß akzeptiert das Urteil nicht, und das geht auch in Ordnung, weil er es nicht akzeptieren muss, wenn er nicht will. Andererseits ist Juristerei nichts anderes als in Paragrafen gegossene Moral. Der Fall Hoeneß lässt sich also verallgemeinern: Betrüger werden bestraft, auch wenn sie prominent sind und ansonsten nützliche oder geschätzte Mitglieder ihres Gemeinwesens. Die Höhe einer Strafe lässt sich nicht verrechnen mit sozialem Engagement. Und eingefahrene Verluste rechtfertigen nicht unversteuerte Gewinne. Auf die Befindlichkeit des Publikums, Fans wie Nicht-Fans, kommt es vor Gericht nicht an. Enttarnt wurde das Instrument der Selbstanzeige. Nicht Reuige zeigen sich selbst an, sondern Verfolgte. Wer ein Auto klaut, dem hilft auch keine Selbstanzeige. Es ist ein Instrument aus der Zeit, als Steuerhinterziehung noch als Kavaliersdelikt galt. Aus der Zeit vor Hoeneß.

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