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WAZ: Hausärzte dringend gesucht. Kommentar von Wilfried Goebels

Essen (ots) - Das Problem des Hausärztemangels ist erkannt, gebannt ist es aber nicht. Zwar bleiben die Praxistüren für Jungmediziner, die es als Fachärzte in beliebte Großstädte zieht, immer häufiger verschlossen. Trotzdem ist die Neigung, als Hausarzt häufig rund um die Uhr in der Provinz zu wirken, beim medizinischen Nachwuchs gering. Die neue Ärzteplanung soll für eine bessere Verteilung sorgen - ohne konkrete Anreize ist ein Erfolg zweifelhaft. Wenn die Hausarztpraxen schließen, müssen mehr Kranke zur Behandlung oft in weit entfernte Kliniken. Das ist teuer, überfordert die Krankenhäuser und ist nicht nur für ältere Patienten beschwerlich. Auch die ambulante Pflege wird ohne Unterstützung eines Hausarztes scheitern. Was tun? Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen darauf hinwirken, dass Hausärzte im Vergütungssystem ein größeres Stück vom Kuchen bekommen. Die Diskrepanz der Honorare zwischen dem Hausarzt und einzelnen Facharztgruppen ist unvertretbar. Ein Hauptargument, warum junge Mediziner den Beruf des Hausarztes scheuen, ist die hohe und unplanbare Arbeitsbelastung. Durch Gemeinschaftspraxen aber können mehrere Hausärzte die Zahl der Bereitschaftsdienste begrenzen und Zeit gewinnen. Gerade junge Medizinerinnen fürchten nicht grundlos, dass sie Familie und Beruf als Hausärztin schwerer vereinbaren können als in der Klinik oder als Fachärztin. Der medizinische Versorgungsbedarf in einer älter werdenden Gesellschaft nimmt zu. Neue Studien lassen befürchten, dass schon 2015 bundesweit 175000 Ärzte und Pflegekräfte fehlen werden. Wenn die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 um zwei Millionen auf 4,5 Millionen ansteigen wird, müssen heute die Weichen gegen den Ärzte- und Pflegenotstand gestellt werden. Bisher ist die Politik auf die demografische Herausforderung nicht vorbereitet. In ländlichen Regionen und abseits der Zentren im Ruhrgebiet fehlen aber schon heute dringend benötigte Hausarztpraxen. Die Zahl der Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner muss sich verdoppeln, damit zumindest der jetzige Stand der Grundversorgung gesichert bleibt. Keine guten Aussichten für Patienten in Randregionen.

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