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WAZ: Auf dem Ego-Trip - Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Er arbeitet im Verborgenen, im Schutz der Anonymität. Er gibt sich gern geheimnisvoll, brüstet sich mit Todesdrohungen gegen seine Person, gefällt sich in der Rolle des vermeintlichen Staatsfeinds Nummer eins. Julian Assange, der Mann hinter der Internet-Plattform Wikileaks, geriert sich wie der Robin Hood des Online-Zeitalters. Allmählich wird immer deutlicher: Der umtriebige Australier kämpft vor allem für eins - für sein eigenes Ego. Assange fordert die totale Transparenz, macht vertrauliche und geheime Dokumente hunderttausendfach für die Allgemeinheit zugänglich. Aber er selbst sagt wenig bis nichts über die eigentlichen Motive für seinen Privatkrieg, der sich bislang vor allem gegen die US-Regierung richtet. Der selbst ernannte Aufdecker schweigt sich in eigener Sache lieber aus. Es mag Unterhaltungspotenzial haben, wenn man liest, was Diplomaten über Regierungschefs und Minister anderer Länder so tratschen. Aber sind solche "Enthüllungen" wirklich wichtig im Sinne der Demokratie? Oder geht es nur um den Coup? Es ist überfällig, dass Julian Assange sich den bohrenden Fragen stellt.

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