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WAZ: Unbequeme Wahrheiten. Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Der Mieterbund ist auf den Zinnen; die Opposition schreit Zeter und Mordio; selbst die Einzelhändler legen die Stirn sorgenvoll in Falten. Und warum? Weil die Kanzlerin ausspricht, was sich jeder ausrechnen kann: Klimaschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Er kostet Geld. Unser Geld.

Dabei geht es nur vorrangig um die Frage, wie sich Mieter und Vermieter die Kosten für eine energiesparende Haussanierung teilen; dass es dabei gerecht zugeht, muss geregelt sein. Im Grunde geht es um die Frage, was uns ein möglichst angenehmes, bequemes und eben gesundes Leben Wert ist.

Wir wollen hochwertige Lebensmittel - aber, bitteschön, zum Discount-Kampfpreis; wir wollen schicke Klamotten - und nehmen dafür billigend in Kauf, dass sie in der Dritten Welt von Kinderhand produziert werden; wir wollen saubere Energie, kosten darf es aber nichts. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

Was sich schon in Merkels klarem Votum für das hoch umstrittene Stuttgarter Bahnhofs-Projekt und in der un-populären Entscheidung für eine minimale Anhebung der Hartz-Sätze andeutete, setzt die Kanzlerin mit ihrer Aussage zur Haussanierung und deren Kosten fort: Merkel hat sich offenbar gegen lauen Populismus und für unbequeme Wahrheiten ausgesprochen. Dafür bezieht sie Prügel. Es wird spannend sein zu beobachten, ob Merkel diesen Kurs durchhält.

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