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WAZ: Katastrophe in Duisburg - Was die Tragödie mit uns macht. Leitartikel von Thomas Wels

Essen (ots) - Das Grauen der Duisburger Katastrophe sitzt tief, es erschüttert nicht nur das Ruhrgebiet. Deutschland und die Welt sind schockiert und voller Trauer. Die Panik in den Gesichtern, die Menschenmassen ohne Ausweg - diese Tragödie kommt so nahe an uns heran wie es selten eine Katastrophe zuvor tat.

Niemand kann sich dieser Urangst der Ausweglosigkeit entziehen. Umso verständlicher ist das Bedürfnis, die Ursachen, die Schuldigen ausfindig zu machen. Schon, um für sich selbst einen Ausweg aus der Ausweglosigkeit zu finden. Das ist nur allzu menschlich.

Aufklärung tut Not, Ruhe bewahren aber auch. Morddrohungen gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, die die Evakuierung seiner Familie nötig machen - das geht entschieden zu weit.

Es geht auch an der Sache vorbei, nun eine Ursache im vermeintlich mausgrauen Ruhrgebiet zu suchen, das immer schon mal gerne Metropole sein wollte, aber - in Hamburg und Berlin haben sie's ja immer schon gewusst - keine ist. Viele Politiker und Kulturschaffende haben sich - wie auch wir als Zeitung - für die Loveparade im Revier stark gemacht. Wie wir auch das Still-Leben auf der A 40 begrüßt haben.

Nicht, dass das Revier dank solcher Großereignisse den Strukturwandel bewältigen und daran wirtschaftlich genesen könnte. Das ist Unsinn. Und doch haben die Paraden in Essen und Dortmund, mehr noch die Tafel auf dem Ruhrschnellweg den Menschen viel gegeben: den Jungen - was bei vielen Älteren durchaus auf Unverständnis stieß - eine Mega-Party, und den Ruhrgebietlern ein erstes gemeinsames Volksfest auf der Schlagader dieser Region. Es waren tolle Veranstaltungen mit fröhlichen Menschen. Niemand hat sich vor der Loveparade öffentlich dafür eingesetzt, die Sicherheit hintanzustellen. Wer sich ein solches Ereignis wünscht, geht von einem sicheren Fest aus. Die Standortfrage wurde gleichwohl immer wieder thematisiert.

Es muss erlaubt sein, allzu schnelle Einwände kritisch zu hinterfragen und Alternativen einzufordern. Wir sollten es dem Schrecken nicht gestatten, uns zu lähmen. Es muss nach dem Unglück möglich bleiben, auch Großes zu denken.

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