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WAZ: Sitzenbleiben in Klasse 10 - Vom Turbo überrollt - Leitartikel von Matthias Korfmann

Essen (ots) - Keiner soll sitzenbleiben: Was sich anhört wie ein löbliches pädagogisches Motto ist der Versuch, einen weiteren Kollateralschaden des Turbo-Abiturs zu mildern. Zehntklässler an Gymnasien, die die Versetzung nicht schaffen, können in diesem Sommer nämlich ihr blaues Wunder erleben: Sie fallen sozusagen nach oben. Um dort womöglich gleich wieder unter die Räder zu kommen. Es ist wie immer bei diesem so konzeptlos durchgepeitschten Turbo-Abitur: Die Schulen müssen es irgendwie regeln, und die Kinder müssen es irgendwie ertragen. Natürlich ist es der Politik furchtbar peinlich, dass ein junger Mensch von ihren Beschlüssen regelrecht überrollt werden könnte. Also soll möglichst keiner sitzenbleiben. Also wird nicht nur gefordert, sondern auch viel mehr als sonst üblich gefördert. Das ist unterm Strich das einzig Gute an dieser absurden Situation: Die Gymnasien bemühen sich, alle Zehntklässler, die auf der Kippe stehen, doch noch über die Versetzungshürde zu tragen. Man mag sich diese Kraftanstrengung auch für die Klassen sieben, acht oder neun wünschen und natürlich auch in den Real- und Hauptschulen. Aber das bleibt nur ein frommer Wunsch. Das Motto "Keiner soll sitzenbleiben" ist leider nur eine Eintagsfliege, geboren auf dem Mist des Turbo-Abiturs.

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