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WAZ: Sammer und der Spaß am Fußball. Kommentar von Reinhard Schüssler

Essen (ots) - Wer es wagt, eine Fußballmannschaft nach einem Sieg für ihr unattraktives Spiel zu kritisieren, läuft regelmäßig in den Konter, Fußball sei schließlich ein Ergebnissport, bei dem es nun einmal keine Schönheitspreise gäbe. Das ist richtig, darf aber durchaus auch bedauert werden. Erinnert eine solche Einschätzung doch fatal an das nach jedem unansehnlichen Sieg ins Feld geführte Totschlag-Argument, der Zweck heilige die Mittel. Umso schöner und ermutigender, dass es immer wieder Beispiele gibt, wie auch mit begeisterndem Fußball die gewünschten Ergebnisse zu erzielen sind. Das zauberhafte Brasilien von Pelé steht dafür, Real Madrids wunderbares Ensemble unter Alfredo di Stefano Ende der 1950er Jahre - und eben heute der FC Barcelona mit dem legitimen Maradona-Nachfolger Lionel Messi. Eine Zeit lang auf internationaler Ebene - wie der FC Arsenal London - der brotlosen Kunst geziehen, hat Barça inzwischen wie kein anderes Team der Welt die Balance zwischen traumwandlerischer Eleganz und Effektivität gefunden. Wie muss deshalb ein doch ausgewiesener Fußballfachmann ticken, der Barcelonas 4:0-Triumph über den VfB Stuttgart nicht an der Grandiosität des Siegers, sondern an der Schwäche des Verlierers festmacht? "Kindergarten-Fußball", bescheinigte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer seinem Ex-Klub als TV-Experte beim Bezahl-Sender Sky, nicht ohne auch noch klarzustellen: "Ich bin stocksauer." Natürlich hätten die Stuttgarter beispielsweise das 1:0 durch Lionel Messi nach einem 38-Meter-Solo mit beinharter Abwehr oder notfalls mit einem Foul verhindern können. So wie im Prinzip jedes Tor zu vermeiden ist. Aber in diesem Fall hätte vermutlich nur noch ein Mensch Spaß am Fußball: Matthias Sammer. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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