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WAZ: Rätselhafte Kehrtwendung. Kommentar von Reinhard Schüssler

Essen (ots) - Diese junge Frau schien wie ein offenes Buch zu sein. Ansteckend fröhlich, erfrischend unkompliziert, selbstbewusst ohne einen Hauch von Arroganz - und (abgesehen von ihren Schieß-Leistungen) berechenbar. Doch seit ihrem zweiten Goldlauf in Vancouver gibt Magdalena Neuner, die neue Gold-Rosi des deutschen Wintersports, plötzlich Rätsel auf. Eine Doppel-Olympiasiegerin, die ihre Chance wegwirft, als erste Deutsche dreimal Gold bei einer Veranstaltung zu holen - daraus kann man sich keinen Reim machen. Zumal die 23-Jährige noch Stunden vor ihrem spektakulären Verzicht auf die Biathlon-Staffel von einen krönenden Abschluss "ihrer" Spiele schwärmte. Neuners Begründung ihrer Kehrtwendung klingt nach dem Hilferuf einer geschundenen Seele. Wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt werde, habe sie sich - bedrängt von Ordnern und Dopingkontrolleuren - nach ihren Siegen gefühlt. Verständliche Klagen, die auch andere Sportler schon geführt haben, wenn auch nicht mit dieser schockierenden Wortwahl. Aber ist es auch die ganze Wahrheit über den Startverzicht? Schon wird von Scharmützeln um die Staffelbesetzung und den Einfluss des Bundestrainers auf Neuners Entscheidung gemunkelt. Die Erfahrung im Spitzensport lehrt, dass leider selbst die schönsten Medaillen Kehrseiten haben. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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