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WAZ: Verneigung vor Enke. Kommentar von Wilhelm Klümper

    Essen (ots) - Am Tag vor der Beerdigung seiner Tochter stand Robert Enke im Tor von Hannover 96. Seine geliebte zweijährige Lara war an einer Herzkrankheit gestorben. Hat sich der Torhüter damals aus Pflichtbewusstsein für seinen Verein zwischen die Pfosten gestellt? Oder wollte der Vater die tiefe Trauer über den Verlust seines Kindes durch die Ablenkung im Spiel lindern, den Schmerz verdrängen? Wir wissen es nicht. Darüber hat Enke nicht öffentlich geredet.

      Der Sportsmann Enke hat nie eine Schwäche zugelassen. Er war der
allseits geachtete Vollprofi, der stets schnörkellos und ohne großes
Tamtam seinen Job ausgezeichnet gemacht hat. Nach dem Spiel ist er
wieder leise abgetaucht in seine traurige Welt.

      Der Widerspruch zwischen dem einsam leidenden und auf dem Platz
stets funktionierenden Torwart Enke erschüttert uns. Wie sehr muss
sein Freitod seine Mitspieler in der deutschen Nationalmannschaft
getroffen haben? Der DFB hat richtig entschieden, das Länderspiel am
kommenden Samstag abzusagen. Ein mutiges Zeichen des hilflosen
Innehaltens angesichts einer menschlichen Tragödie. Und überdies eine
tiefe Verneigung vor dem guten Typen und Sportler Enke.

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