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WAZ: Das Grauen nebenan. Kommentar von Christopher Onkelbach

    Essen (ots) - Am 10. Juni 1991 war die Kindheit der elfjährigen Jaycee Lee Dugard zu Ende. Die nächsten 18 Jahre war sie eine Gefangene, wurde missbraucht und gehalten wie ein Hofhund. Ihr Name reiht sich ein in die furchtbare Liste, auf der Natascha Kampusch vermerkt ist und Elisabeth Fritzl. Und An Marchal, Eefje Lambrecks, Melissa Russo, Julie Lejeune - die Opfer von Marc Dutroux. Wie viele mehr?

      Psychologen versuchen zu ergründen, wieso es diesen Tätern
scheinbar mühelos gelingt, die elementarsten Tabus zu brechen. Sie
entkleiden diese Männer sowie deren Helferinnen und Helfer ihrer
Monstrosität: Sie legen die Gier frei, die sie treibt, die Sucht nach
Macht, das Berauschen an dem Überlegenheitsgefühl, ihren
Kontrollwahn. Diese rationalen Analysen sind wichtig, um Täter
womöglich früher erkennen und überführen zu können.

      Doch dem moralischen Empfinden versagt das Verständnis. Es
kapituliert vor der Ungeheuerlichkeit der Taten, und vor dem Wissen,
dass die Opfer nie die Chance auf ein Leben in Achtung, Liebe und
Würde hatten. Und wieder war es so: Die Nachbarn haben nichts
bemerkt. Nichts bemerkt?

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