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WAZ: Verpasste Vorsorge - Schwachstellen. Kommentar von Julia Emmrich

    Essen (ots) - Genau 564 Namen stehen auf der Liste, die das Landesinstitut für Gesundheit an die Jugendämter geschickt hat. 564 Eltern von Kleinkindern, die trotz Ermahnung die Regeluntersuchung U5 oder U6 versäumt haben. Über 500 Eltern also, die ihre Kinder vernachlässigen? Über 500 Skandale? Nein. Dazu ist das neue Meldeverfahren zu fehleranfällig. In den zwei Wochen Frist, die das Landesinstitut Eltern gibt, kann vieles passieren, was bei Behörden wie eine Verweigerung aussieht. Es reicht schon, wenn der Arzt keinen Termin mehr frei hat. Das sind die Schwachstellen im System, die hoffentlich bei den Jugendämtern unkompliziert aufgeklärt werden. Ob tatsächlich Fälle von Vernachlässigung oder Misshandlung auffallen, muss sich erst noch zeigen. Eines aber ist jetzt schon sicher: Wenn das neue Meldeverfahren dabei hilft, wie in anderen Bundesländern die "U"-Quote auf über 90 Prozent zu steigern, ist das ein Gewinn. Denn wer bei der freiwilligen Früherkennung schludert, vernachlässigt sein Kind zwar nicht im strafrechtlichen Sinn, handelt aber zumindest grob fahrlässig.

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