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WAZ: Deutsche Doktorspiele - Kommentar von Lars-Ludwig von der Gönna

    Essen (ots) - Nun also auch wir. Keine bezahlte Exoten-Promotion der Selbstfindungs-Fakultät von Hawaii - nein, an den ehrwürdigen Universitäten zu Tübingen, Köln, Hamburg etc. wurde für Bares die Doktorwürde ohne Doktorhürde verliehen.

      Womit wir erstens wissen, wofür der Begriff Honorarprofessor noch
stehen kann. Zweitens aber - und das ist viel trauriger - erzählt der
Skandal um gekaufte Titel weniger eine Geschichte von fehlenden
Kontroll-Organen an deutschen Hochschulen. Vielmehr haben wir es mit
einem Lehrstück zu tun, wie weit es mit dem höchsten akademischen
Grad gekommen ist.

      Längst liegt für einflussreiche Institutionen auf der Hand, wozu
der Doktor gut ist: Konzerne, Kanzleien, die politische Szene - sie
alle (Tendenz steigend) nutzen etwas, das der Forschung zur Ehre
gereichen sollte, immer öfter unverhohlen dekorativ. So wurde der
Doktor flacher Zierrat und Einschüchterungsrequisit in einem.

      Der Missbrauch, den die Korruptionsaffäre offenbart, er ist nur
die logische Konsequenz einer Titel-Manie, die das alte Lied von
Schein und Sein ins schäbige Reich des Doktorspiels überführt.

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