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WAZ: Kaufhof äugt zu Karstadt - Endlich ein Interessent - Leitartikel von Sabine Brendel

    Essen (ots) - Der Essener Handels- und Tourismuskonzern Arcandor kämpft seit langem um sein Überleben. Nun wagen sich endlich erste Kaufinteressenten für Teile des Unternehmens aus der Deckung. Das wird auch Zeit. Denn eine Lösung ohne den Staat wäre die bessere - auch für die Steuerzahler.

      Arcandors Warenhaussparte schwächelt seit Jahren, nicht erst seit
der Finanzkrise. Die Probleme sind hausgemacht. Die aufs
Luxusgeschäft ausgerichteten Pläne von Ex-Chef Thomas Middelhoff
scheiterten; er ging und hinterließ seinem Nachfolger Karl-Gerhard
Eick in der Handelssparte einen Sanierungsfall. An den fruchtlosen
Versuchen, das Ruder bei der früheren Karstadt-Quelle herumzureißen,
ändern Staatsbürgschaften nichts. Mit diesen könnte der taumelnde
Konzern höchstens etwas Zeit gewinnen. Aber eine Staatsbürgschaft
ersetzt keine erfolgsträchtige Firmenstrategie.

      Da kommt das nun offen bekundete Interesse des
NRW-Handelskonzerns Metro - über das bereits spekuliert worden war -
zur rechten Zeit. Denn auf Arcandor lastet nicht das
Tourismus-Geschäft, das dank des Mehrheitsanteils an der britischen
Firma Thomas Cook die Ertragsperle ist. In die Knie zwingt die
Essener ihr Handelsgeschäft, vor allem die Karstadt-Warenhäuser.

      Der neue Arcandor-Chef Eick hat der Sparte zwar die Ausrichtung
auf die Mitte der Gesellschaft verordnet. Doch es ist zweifelhaft, ob
dies das lang ersehnte Allheilmittel ist. Kaufhäuser mit ihrem
"Wir-haben-alles-Angebot" haben ihren Nimbus verloren. Im Trend
liegen derzeit Einkaufszentren mit vielen kleineren Läden unter einem
Dach - und unzählige Internetshops.

      Die Idee eines Zusammengehens von Karstadt und der Metro-Tochter
Kaufhof hat trotzdem Charme. Zwar würde dies wohl bedeuten, dass es
in einer Stadt nicht mehr zwei große Warenhäuser geben wird und viele
Stellen gestrichen werden dürften. Doch bräche Arcandor zusammen,
würden viel mehr Arbeitsplätze verschwinden.

      Kaufhof geht es außerdem besser als der verlustreichen
Karstadt-Kette. Kaufhofs Konzept, unter einem Dach mehrere
shop-ähnliche Markenbereiche zu versammeln, scheint eher aufzugehen
als die Route, die die Essener Rivalen wählten. Nur eine Strategie,
die bei den Kunden ankommt - also denjenigen, die Warenhäusern das
Geld in die Kassen spülen -, ist das A und O, um sich im hart
umkämpften Einzelhandel zu behaupten. Und um langfristig im
Wettbewerb zu überleben.

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