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WAZ: Fataler Krisenreflex - Kommentar von Stefan Schulte

    Essen (ots) - Der Abstiegskampf kennt das Phänomen zusammenrückender Mannschaften, und wenn es draußen gewittert, schlüpfen Kinder unter Elterndecken. Diesen archaischen Überlebensreflex zeigen in der Wirtschaftskrise auch die Industriestaaten. Die Weltmärkte brechen weg, also bauen Regierungen Schutzwälle für ihre Nationalökonomien. Doch während die Scheinsicherheit in der Kleingruppe von psychologischem Wert sein kann, hat sie in globalen Wirtschaftsräumen fatale Folgen. Je mehr sich Einzelstaaten abschotten, desto schlimmer wird die Weltwirtschaftskrise. Die Abschwächung der "Buy America"-Klausel ist deshalb ein guter, aber zu kleiner Schritt. Die Signale haben die US-Bürger längst verstanden. Doch haben wir wenig Grund, mit dem Protektionismus-Finger über den Teich zu zeigen. Ein VW-Werk, das nur VW auf seinen Parkplatz lässt, spricht ebenso Bände wie Frankreichs Bedingung, nur Unternehmen zu helfen, die nicht ins Ausland gehen. Die EU hat allen Grund, sich die Krisenprogramme ihrer Mitgliedsstaaten sehr genau anzusehen.

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