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WAZ: US-Pläne: Nato soll afghanischen Verteidigungshaushalt übernehmen - Berlin müsste 100 Millionen Dollar zusätzlich zahlen

    Essen (ots) - Die US-Regierung hat den Nato-Staaten einen spektakulären Vorschlag unterbreitet: Die Amerikaner wollen alle Mitgliedsländer dazu verpflichten, ihre jeweilige Finanzhilfe für Afghanistan erheblich aufzustocken. Mit dem Geld soll der Westen, vor allem die Nato, ab 2010 den kompletten afghanischen Verteidigungshaushalt übernehmen - Gehälter, Treibstoff, Waffen, Verpflegung. Kosten: rund zwei Milliarden Dollar jährlich, von denen die USA den Löwenanteil bestreiten. Den US-Plänen zufolge sollen die großen Nato-Mitgliedsländer wie beispielsweise Deutschland und Großbritannien jährlich 100 Millionen US-Dollar zusätzlich zur Verfügung stellen. Das berichtet die in Essen erscheinende Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ, Donnerstagausgabe).

      Am vergangenen Dienstag trafen sich hochrangige Fachleute des
Kanzleramts sowie des Verteidigungs- und Außenministeriums, um
erstmals über die Anfrage zu beraten. "Wir sind sehr überrascht, vor
allem von dieser gigantischen Summe", sagte ein hochrangiger Beamter
des Verteidigungsministeriums der WAZ. Ein Experte des Auswärtigen
Amtes betonte gegenüber der WAZ, dass eine Zustimmung Deutschlands
"nicht unwahrscheinlich" sei. "Das ist allein eine Sache des
politischen Willens - die Frage der dann notwendigen höheren
Neuverschuldung ist zweitrangig."

      Die USA verweisen in ihrer Begründung darauf, dass sich die
Sicherheitslage im Irak erst entscheidend verbessert habe, nachdem
die irakische Armee in die Lage versetzt worden war, selbstständig
und zuverlässig zu agieren. Dieses "Erfolgsmodell" wollen sie auf
Afghanistan übertragen. So soll die afghanische Armee
schnellstmöglich von derzeit 88 000 auf 122 000 Mann aufgestockt
werden.

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