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WAZ: Es geht um Kinderrechte - Kommentar von Birgitta Stauber

    Essen (ots) - Ein Kind vegetiert jahrelang in einer Hochhauswohnung dahin; hinter abgeklebten Fenstern, verschlossenen Türen, im eigenen Kot. Auf der Suche nach Nahrung kratzt es Tapeten von den Wänden und reißt sich die Haare aus. Schließlich stirbt die siebenjährige Jessica aus Hamburg.

      Vielleicht hätte sie gerettet werden können, wenn im Laufe der
Jahre jemand vorbeigeschaut hätte. Ein Mitarbeiter des Jugendamts zum
Beispiel. Doch dem Amt fehlte - zumindest bis zur versäumten
Einschulung - ein Hinweis, ein Anhaltspunkt, der einen Besuch
gerechtfertigt hätte.

      Wenn in Zukunft Ärzte in NRW melden, welche Kinder zu den
Vorsorge-Untersuchungen erscheinen, wird es Eltern ein wenig schwerer
gemacht, ihr Kind zu verstecken. Es geht nicht um Schnüffelei, nicht
um Gängelei oder Denunziantentum. Es geht um das Recht aller Kinder
auf Zuwendung, Gesundheitsversorgung, Nahrung, Teilhabe und Bildung.

      Diese Rechte wiegen schwerer als jedes Elternrecht. Das wird im
Übrigen auch kaum berührt: Eine Pflicht, das Kind regelmäßig einem
Arzt vorzustellen, gibt es auch zukünftig nicht.

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