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WAZ: Kardinal tadelt die Parteien - Meisner nervt - Leitartikel von Christopher Onkelbach

    Essen (ots) - Warum nervt die Kirche? Dafür gibt es mindestens zwei Gründe. Erstens: Weil sie muss. Sie erinnert eine moralvergessene Gesellschaft an ihre Werte. Sie verweist auf Grenzen, Gewissen und Glauben, wenn nur von Fortschritt, Geld und Erfolg die Rede ist. Sie nervt im positiven Sinne, wenn sie eine zuweilen blind vorwärts stürmende Gesellschaft zum Innehalten und Nachdenken mahnt. Sie nervt aber zweitens, weil zumindest einige ihrer Würdenträger ein Problem mit der Freiheit haben - und mit der Demokratie. Damit wären wir bei Kardinal Meisner. Er schreckte nicht davor zurück, Kultur als "entartet" zu bezeichnen, wo sie sich nicht in den Dienst der Gottesverehrung stellt. Wer aber die Freiheit achtet, wird auch als Christ moderne Kunst nicht mit einem Nazi-Begriff verunglimpfen. Und wenn Meisner keine politische Partei, nicht einmal mehr die mit dem "C", aus Katholikensicht für wählbar hält, dann spricht daraus eine gefährliche Geringschätzung der Demokratie. Gefährlich, weil sie jenen Kräften in die Hände spielt, die unsere freie Gemeinschaft verachten - und übrigens auch die Kirche.

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