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WAZ: Kinder verdienen Schutz Elterliche Gewalt braucht Grenzen - Leitartikel von Sigrid Krause

Essen (ots)

Ja, es gibt sie: Familien, in denen Kinder geliebt
und behütet aufwachsen. In denen Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, 
Freunde sich kümmern um das Baby, das Schulkind, den Teenager. 
Familien, in denen Erwachsene gern Verantwortung übernehmen.
Aber es gibt auch diese: Mütter und Väter, die selbst noch Kinder
sind. Und/oder deren eigene Kindheit von Arbeitslosigkeit, 
Alkoholexzessen und Gewaltausbrüchen der Eltern geprägt war. Die 
selbst keinen Beruf erlernt haben und damit lebenslänglich chancenlos
sind auf einem Arbeitsmarkt, der Hochqualifizierte fordert.
Ein Kind zu haben, ist für junge Frauen in solch trüber Lage oft 
die einzige Chance, im Leben etwas zu Stande zu bringen, das diese 
Gesellschaft wertschätzt. Dass diese Mütter ihren Alltag häufig ohne 
Väter meistern müssen, gilt als deren Privatsache. Den Traum von der 
eigenen kleinen Familie, von Zusammenhalt, Solidarität, Wärme wird 
dennoch jede dieser Mütter in sich tragen. "Die Familie": Sie ist das
große Ideal, sie gilt als Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Die 
"elterliche Gewalt" - so hieß tatsächlich das Erziehungsmonopol der 
Väter und Mütter vor gar nicht langer Zeit - gilt bis heute als 
unantastbar.
Obwohl die Schreckensmeldungen über verwahrloste und tote Kinder 
nicht abreißen: Wer immer diese Gewalt beschränken will durch 
wirksame Instrumente, erntet empörte Proteste. Pflicht zur Vorsorge 
für jedes Kind? Verbindlicher Besuch des Kindergartens zum Nulltarif,
warmes Essen inclusive? Pflichtbesuche vom Jugendamt nach einer 
Geburt? Verfechter der Traditionsfamilie kontern mit 
Totschlagsargumenten wie "Krippenzwang? Bloß nicht!" Die Familie ist 
ihnen heilig, vom Grundgesetz geschützt - niemand, schon gar nicht 
der Staat, darf hineinregieren. Ein Kind ist Eigentum der Eltern, das
soll so bleiben.
Tatsächlich wachsen Millionen Kinder in Armut auf. Wir wissen 
heute, wie die aussehen kann. Jessica aus Hamburg, Justin aus 
Wattenscheid, Andre´ aus Iserlohn - ihr trauriges Ende steht für alle
Kinder, die unter ihren Eltern leiden; von drei toten Kindern pro 
Woche gehen Kriminalisten aus. Wo Armut zunimmt, ist die Familie 
selten ein Hort der Geborgenheit. Appelle an überforderte Eltern, 
doch bitte ihre Pflichten zu erfüllen, helfen Kindern nicht. Ihnen 
hilft nur eins: Klare Regeln dafür, dass und wann Vater Staat 
eingreifen muss und darf. Die Schwächsten zu beschützen, ist seine 
vornehmste Pflicht. Die Wunschträume derer, die nie eine verwahrloste
Wohnung betreten haben, verdienen keinen Schutz.

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Rückfragen bitte an:
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Zentralredaktion
Telefon: (0201) 804-0
zentralredaktion@waz.de

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