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"Allen Tibetern und ihren Unterstützern möchte ich friedliche Proteste ans Herz legen" Reinhold Messner im P.M. HISTORY-Interview über politischen Ziele und soziale Probleme auf dem "Dach der Welt"

    Hamburg (ots) - 17. Juni 2008 - "Free Tibet!": Zu Beginn des Olympischen Fackellaufs ertönte weltweit der Ruf nach einem autonomen Gebiet am Himalaya. Seit dem Erdbeben von Sezuan sind die internationalen Proteste gegen Chinas Tibet-Politik verstummt. Das Problem besteht jedoch weiter, und es wird auch nach den Olympischen Spielen nicht von der politischen Landkarten verschwinden. P.M. HISTORY (aktuell im Handel) verfolgt die Wurzeln des Konflikts am "Dach der Welt" bis ins Mittelalter zurück und sprach mit Reinhold Messner, Extrembergsteiger und Tibet-Kenner, über seine Einschätzung der Lage. Messner äußerte sich kritisch über die Erosion der traditionellen tibetischen Lebensweise, die sich in zunehmendem Maß derer der zugezogenen Han-Chinesen anpasse: "Wenn es so weitergeht, ist es offensichtlich, dass die Han-Chinesen die Tibeter in wenigen Jahrzehnten einfach erdrücken. Das tibetische Erbe geht damit endgültig verloren." Die Rolle Chinas bei der Modernisierung des archaischen Landes und bei der Entwicklungshilfe sei jedoch nicht zu unterschätzen. Messner: "Ich erkenne die positiven Einflüsse der Chinesen in Tibet durchaus an, nur sollten sie dort nicht nach Gutdünken schalten und walten dürfen. China hat die Verpflichtung, die Menschenrechte zu wahren und die Tibeter ihre einzigartige Kultur weiterleben zu lassen." Als ehemaliger Europa-Abgeordneter hat Messner den Dalai Lama auch auf politischer Ebene kennen gelernt und betont, dass das spirituelle Oberhaupt der Tibeter keinen selbständigen Staat, sondern eine von China autonome Region anstrebe: ein Ziel, über das westliche Sympathisanten häufig hinausschossen. "Allen Tibetern und ihren Unterstützern möchte ich friedliche Proteste ans Herz legen", appelliert Messner. "Es geht um die Autonomie Tibets, alles andere ist kontraproduktiv. Der Dalai Lama hat gedroht zurückzutreten, sollten die Kräfte für ein eigenständiges Tibet überhand nehmen." Die Olympischen Spiele, die am 8. August in Peking beginnen, sieht Messner als Chance, auf die Lage am Himalaya aufmerksam zu machen: "Ich wünsche mir, dass die Spiele ein Akt der Begegnung werden, weil dadurch Milliarden auf die Situation in Tibet aufmerksam werden. Dort ist eine einzigartige Kultur bedroht, die sich über Jahrhunderte hinweg relativ frei von äußeren Einflüssen erhalten hat. Und dieses Erbe, und darum geht es mir, gehört nicht allein China und nicht allein den Tibetern, es gehört der gesamten Menschheit. Und deshalb haben wir alle nicht nur ein Recht, sondern eine Verpflichtung, unsere Stimme zu erheben und für eine Autonomie Tibets einzustehen", so Messner im P.M. HISTORY-Interview.

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