Bayerische Landesärztekammer

Berufskonzepte im Gesundheitswesen

München (ots) - Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sprach im Vorfeld des 75. Bayerischen Ärztetages mögliche neue Aufgabenverteilungen und Kooperationen im Gesundheitswesen, den Trend zur Akademisierung von Gesundheitsberufen und insbesondere das neue Berufsbild des "Physician Assistant" an. Ziel der Ärzteschaft sei es, hierbei Berufsbildungskonzepte für Gesundheitsfachberufe mitzuentwickeln bzw. mitzugestalten, dadurch sowohl deren Attraktivität als auch die Attraktivität des Arztberufs im Sinne des Delegationsprinzips zu stärken sowie die Substitution von Teilbereichen der ärztlichen Kernkompetenz und konfliktive Schnittstellen zu verhindern.

Auf die Frage, was die Ärzteschaft mit dem "Physician Assistant" erreichen könne, hat Kaplan eine klare Antwort: "Wir wollen Ärzte angesichts demografischer und epidemiologischer Entwicklungen entlasten sowie die Übertragung von Aufgaben an ein einheitliches Berufsbild nach dem Delegationsprinzip gestalten. Gleichzeitig wollen wir eine weitere Aufstiegsperspektive und Spezialisierungsoption für die Gesundheitsfachberufe und auch die Medizinische Fachangestellte schaffen." Wichtig ist für Kaplan, dass eine bundeseinheitliche Ausbildung des "Physician Assistant" als Weiterbildungsstudium für Gesundheitsfachberufe eingeführt wird, dass die Qualitätskriterien für die betreffenden Studiengänge festgelegt werden und - ganz entscheidend - dass die Berufsausübung nach dem Prinzip des Arztvorbehalts bzw. nach Delegationsprinzip erfolgt.

Punkte, die einer künftigen Klärung bei den Gesundheitsberufen bedürfen sind der "Direktzugang zu den Patienten", was aus Gründen der Patientensicherheit und im Sinne der Qualität abzulehnen ist, sowie bei der sogenannten "Blankoverordnung" die Klärung von Haftung und Budgetverantwortung für die Gesundheitsberufe. Dazu gehört auch der Entwurf des "Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG)". Er soll für "mehr Qualität und Transparenz bei der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln" sorgen, für die Patienten soll es zahlreiche Verbesserungen geben und mehr Befugnisse für die Therapeuten. Dazu zählen verbesserte Beratung über "Hilfsmittel innerhalb des Sachleistungssystems", qualitative Anforderungen an die Produkte und die mit ihnen verbundenen Dienstleistungen, spezielle Vergütungsvereinbarungen in den Jahren 2017 bis 2019 mit den Verbänden der Therapieberufe wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sowie Modellvorhaben zur sogenannten "Blankoverordnung" von Heilmitteln. "Die Therapeuten werden mehr Verantwortung in der Patientenversorgung erhalten, die jedoch mit der Haftungs- und Budgetverantwortung verbunden sein muss", fordert Kaplan.

Zur Diskussion um die Akademisierung der Gesundheitsberufe sagte Bayerns Ärzte-Chef: "Es herrschen derzeit eine hohe Dynamik und eine große Heterogenität der Aus- und Weiterbildung der Gesundheitsfachberufe. Ich halte eine Teil-Akademisierung für sinnvoll, vor allem als Weiterqualifizierung in der Pflege für Leitungs-, Ausbildungs- und Fortbildungs-Funktionen." Der Blick über die Ländergrenzen in Europa bestätige zudem, dass die Akademisierung der Gesundheitsberufe in den Nachbarländern bereits weiter fortgeschritten ist als in Deutschland.

Ein ganz anderes Thema sei hingegen die "Schnittstelle" mit den Heilpraktikern. Mit Blick auf die Patientensicherheit plädiert Kaplan für mehr Transparenz bezüglich der Berufsqualifikation. Was die Behandlung durch Heilpraktiker betrifft, fordert Kaplan klare Begrenzungen und Konkretisierungen durch die Aufstellung eines Kriterienkatalogs, welche Leistungen ein Heilpraktiker nicht erbringen darf, wie etwa invasive Eingriffe oder die Behandlung von Krebskranken. "Wenn durch die Behandlung eines Heilpraktikers eine wirksame Therapie unterbleibt, kann das zu einer Tragödie führen, wie wir sie jüngst in Brüggen erlebt haben", so Kaplan.

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