Dt. Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Extrem kleine Frühgeborene profitieren von Impfungen ganz besonders

Würzburg (ots) - Sehr kleine Frühgeborene sind keinem erhöhten Impfrisiko ausgesetzt. Entsprechende Behauptungen, wie sie in jüngster Zeit vermehrt von Impfgegnern vorgebracht werden, entbehren laut Deutscher Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) jeglicher Grundlage.

Die DGSPJ beruft sich dabei auf die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung, die Birgit Ziegler und Professor Hans-Michael Straßburg von der Universitäts-Kinderklinik Würzburg ausgewertet haben. Dabei konnte an Hand der Daten von 216 Frühgeborenen der Geburtsjahrgänge 2004 bis 2006, die alle ein Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm aufwiesen, nachgewiesen werden, dass Frühchen Impfungen in der Regel gut verkraften.

Diese Erkenntnisse sind deshalb von großer Bedeutung, weil heute in Deutschland bis zu 50.000 Kinder pro Jahr zu früh geboren werden. Darunter befinden sich rund 6.000 sehr kleine Frühgeborene, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Da viele Organe dieser auch häufig lange nach der Geburt noch geschwächten Kinder nicht vollständig ausgereift sind, wird immer wieder geraten, den Umfang an Impfungen zu reduzieren und die Zeitabstände von Impfungen zu verlängern, um das Immunsystem zu schonen.

Dass dies jedoch nicht notwendig ist, kann nunmehr mit wissenschaftlichen Daten belegt werden. Anzuraten sind Impfungen gerade für extrem kleine Frühgeborene vor allem deshalb, weil gerade diese Gruppe von Kindern besonders anfällig für schwerwiegende und zum Teil auch gefährliche Erkrankungen wie Hämophilus- und Pertussis-Infektionen sind. Gravierende Nebenwirkungen, die gerade bei Frühgeborenen immer wieder vermutet werden, treten dagegen nach Impfungen kaum auf. So sind schwerere Nebenwirkungen - wie zum Beispiel Abfälle der Sauerstoffsättigung und Verlangsamung der Herzaktion - lediglich bei 1,1 Prozent aller geimpften Frühgeborenen vorübergehend festgestellt worden. In einem Fragebogen gaben zudem ein Fünftel der Eltern an, dass ihr Kind nach den Impfungen unter leichten Nebenwirkungen wie Fieber, Schlafstörungen oder einer leichten Lokalreaktion litt. Diese leichteren und zumeist ungefährlichen Nebenwirkungen können jedoch auch bei normal geborenen Kindern auftreten, wenn diese in den ersten beiden Lebensjahren geimpft werden.

Seit 1996 wird empfohlen, dass Frühgeborene ab dem Beginn des dritten Lebensmonats alle Impfungen entsprechend ihrem Lebensalter genauso erhalten sollten, wie sie nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch für alle anderen Kindern in Frage kommen. Und das ist in der Realität glücklicherweise auch der Fall, stellt Straßburg, der sich auch als Präsident der DGSPJ für Impfungen einsetzt, fest. Nach der Auswertung der Daten von 216 Frühgeborenen hat der weit überwiegende Teil regulär die von der STIKO empfohlenen Basisimpfungen erhalten. Bei 97,5 Prozent findet eine Grundimmunisierung mit dem Sechsfach-Impfstoff statt, auch die Erstimpfung für Masern, Mumps und Röteln erfolgte in 95 Prozent aller Fälle mit Beginn des 2. Lebensjahres. Die vierte Sechsfach-Impfung fand bis Ende des 2. Lebensjahres bei 90 Prozent aller extrem Frühgeborenen statt, die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung bei 79 Prozent. 68 Prozent der Frühgeborenen wurden gegen Windpocken geimpft. Die neu eingeführte Impfung gegen Pneumokokken-Infektionen fehlte nur bei 7,2 Prozent. Bei 68,8 Prozent wurde eine Meningokokken-Impfung durchgeführt.

Nach Auswertung der Daten steht nun auch für die DGSPJ fest, dass Vorbehalte von Impfkritikern gegen Impfungen bei sehr kleinen Frühgeborenen unbegründet sind: Straßburgs Appell an Ärzte und Eltern ist daher eindeutig: "Verzichten Sie bei Frühchen in keiner Weise auf Impfungen!"

Nähere Einzelheiten unter www.impfungen-fruehgeborene.de

Pressekontakt:

Prof. Dr. med. Hans-Michael Straßburg
Josef-Schneider-Str. 2
97080 Würzburg
E-Mail: Strassburg_H@kinderklinik.uni-wuerzburg.de

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