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Löst das Bankenrettungspaket den Credit Crunch?

Brüssel (ots) - Entrepreneurs for Growth, die europäische Organisation für Wachstumsunternehmen, empfiehlt eine Verknüpfung der Bankenunterstützung mit der Kreditvergabe an die Realwirtschaft.

Eigenkapital für Banken wird begrüßt

Die Geschwindigkeit und Entschlossenheit, mit der die EU und die europäischen Länder konzertierte Maßnahmen eingeleitet haben, hat weltweit und auch bei den Wachstumsunternehmern ein Gefühl der Erleichterung ausgelöst. Insbesondere die Ansätze, mit Bürgschaften und Eigenkapital zu arbeiten, erscheinen sehr viel effizienter als der staatliche Kauf von schlechten Krediten. Denn für jeden Euro Eigenkapital hat eine Bank das 10 bis 12-fache an Kreditkapazität wieder hergestellt oder erhöht, so dass mit einem Euro Staatsgeldeinsatz das 10 bis 12-fache im Privatsektor bewegt werden kann. Die Investition von Eigenkapital ist auch darum eine gerechte Form der Hilfe, weil hierdurch nicht Verluste auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, sondern die übrigen Aktionäre werden verwässert und der Staat erhält einen Gegenwert.

Bürgschaften sind besser, als der Kauf fauler Kredite

Auch das Erteilen von Bürgschaften kann wieder Vertrauen herstellen, ohne den Steuerzahler wirklich Geld zu kosten, weil sofern es sich um Ausfallbürgschaften handelt, der Bürgschaftsfall so lange nicht eintritt, wie es nicht zum Ausfall der ganzen Bank kommt. Und da die Bank über Ausfallbürgschaften verfügt, ist das Vertrauen wieder hergestellt und es kommt auch nicht zum Ausfall. Das heißt also, dass hiermit eine positive Stabilisierungsmaßnahme ergriffen werden kann, die mit größter Wahrscheinlichkeit den Steuerzahler kein Geld kostet, und man also nicht mit Zuschüssen Fehler abdeckt und Verluste weg subventioniert. Wichtig ist es, nach Meinung der Wachstumsunternehmer, dass es sich auch wirklich um Ausfallbürgschaften handelt, die nur dann zum Tragen kommen, falls es zu einer Liquidation kommt, bei der Gläubiger nicht vollständig bedient werden können.

Anpassung der Buchhaltungsregelung war überfällig

Ebenfalls sehr zu begrüßen sind die Ankündigungen, die Banken von der "market-to-market"-Vorschrift für die Bewertung von Krediten zu befreien, da es sich nicht nur gezeigt hat, sondern auch logisch nachvollziehbar ist, dass über marktmäßige Neubewertung der Kredite der Wert und die Rückzahlwahrscheinlichkeit des Kredites nicht richtig abgebildet werden.

Der Schaden für die Realwirtschaft ist schon passiert Abgesehen von diesen positiven Auswirkungen auf eine Stabilisierung des Bankensystems hat aber die Auswirkung des durch die Bankenkrise ausgelösten Credit Crunch für die Realwirtschaft bereits enormen Schaden bewirkt. Die unstrittige Rezession ist eine Kettenreaktion aus der Kreditverknappung für die Realwirtschaft, welche auch dann fortwirken kann, wenn der Kreditverkehr zwischen den Banken wieder in Gang gesetzt wurde. Die Kreditverknappung trifft die gesamte Investitionsgüterindustrie bis hin zu langlebigen Konsumgütern, wie z.B. den Automobilsektor.

Verknüpfung mit der weiteren Kreditvergabe ist notwendig

Die Wachstumsunternehmer empfehlen deshalb bei der jetzt anstehenden Ausgestaltung der Banken-stabilisierungspakete, insbesondere dem Angebot von Eigenkapital und Bürgschaften, diese strikt mit der Aufrechterhaltung des Kreditgeschäftes und der Neukreditvergabe bzw. Erneuerung bestehender Kredite an die Realwirtschaft, und insbesondere an den Mittelstand zu verknüpfen. Der Mittelstand beschäftigt ca. 70 % aller Erwerbstätigen. Die erste große Bremswirkung ist schon eingetreten und hat sich in radikalen Rückgängen der Auftragseingänge in der Industrie bemerkbar gemacht - und die Folge dessen wird ein zeitverzögerter drastischer Rückgang von Produktion, Beschäftigung, Umsätzen und Ergebnissen sein. Diese Rückgänge, welche uns vor allem im Jahr 2009 treffen werden, wenn die Auftragsbestände des laufenden Jahres abgearbeitet sind, werden Firmen unter Druck setzen aufgrund bestehender Covenants (Finanzkennzahlen) Kredite zurückzuzahlen, was wiederum einen bremsenden und Krisen verschärfenden Effekt auf die Realwirtschaft haben kann (Negativspirale), obwohl sich die Banken dann wieder in Sicherheit befinden.

Das so sehr willkommene Bankenrettungspaket kann also nur dann auch den gewünschten positiven Effekt auf die Realwirtschaft erzielen, wenn nicht nur die Stützungsmaßnahmen der Banken an eine uneingeschränkte Fortsetzung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft gekoppelt sind, sondern auch den Kreditnehmern der notwendige Spielraum in den Covenants im Jahr 2009 eingeräumt wird, um für die verspäteten Auswirkungen der Bankenkrise nicht ungerecht bestraft zu werden. Um dies zu erreichen, müssten auch einige Regelungen von Basel II gleichzeitig (oder vorübergehend) gelockert werden.

Vorübergehende Flexibilisierung für 2009 erforderlich

Es könnten z.B. Zinskonditionen, vorübergehend gekoppelt an die Betriebsergebnisse, nach unten und oben anpassbar sein. Andernfalls wird man in einem Jahr mal wieder hören, der Mittelstand habe leider nicht genug Eigenkapital, und es könnte dann schon in Vergessenheit geraten sein, dass die Banken aber dafür gerettet wurden, die Realwirtschaft am Leben zu erhalten.

Kreditversicherung

"Die Realwirtschaft wird 2009 für das Abfedern des zeitverzögerten Rückgangs durch den Credit Crunch ein Jahr Geduld und Anpassungszeit sowie Spielregeln benötigen, die auch die notwendige Luft hierfür aus den jetzt beschlossenen Paketen geben müssen, um eine verzögerte Negativ-Kettenreaktion in der Realwirtschaft zu verhindern", so Martin Schoeller, Präsident von Europe's 500, der Organisation der Europäischen Wachstumsunternehmer.

Europe's 500 schlägt außerdem vor, dem Mittelstand über die Versicherungen das Anmieten von Bürgschaften für Investitionskredite zu ermöglichen.

Pressekontakt:

Petra Stadler
Assistant to Martin Schoeller
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