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BERLINER MORGENPOST: Die Schwäche des SWR - Kommentar von Hajo Schumacher

Berlin (ots) - Natürlich ist es ein gutes Stück Wahlkampf, wenn Julia Klöckner eine TV-Runde absagt. Gleichwohl enttarnt das listige Nein der rheinland-pfälzischen CDU-Kandidatin merkwürdige Reflexe, Rituale und Gehorsamsroutinen, die der Tod eines wachen Journalismus sind.

"Zähneknirschend" habe er die Einladungsmodalitäten geändert, erklärte SWR-Intendant Peter Boudgoust, nachdem die Ministerpräsidenten Dreyer und Kretschmann wissen ließen, dass sie im Falle einer AfD-Teilnahme nicht mitstritten. Was gibt es da zu knirschen?

Die AfD mag Mitglieder mit höchst problematischen Ansichten haben, aber: Verboten ist die Partei nicht. Sie gehört zum Meinungsspektrum dieses Landes so wie auf der anderen Seite eine kommunistische Plattform.

Was hätte nun ein selbstbewusster Intendant geantwortet? Ganz einfach: "Liebe Ministerpräsidenten, es ist Ihre freie Entscheidung, an unseren Sendungen nicht teil- zunehmen. Aber es bleibt unsere freie journalistische Entscheidung, wen wir wozu einladen."

Was wäre denn Schlimmes geschehen? Entweder eine Sendung mit kleinlauten Ministerpräsidenten. Oder aber eine Runde ohne Landeschefs, was weder Sender noch Quote geschadet, aber hohen erzieherischen Wert gehabt hätte.

Die Schwäche des Intendanten hat nun zur gruseligsten aller Lagen geführt: keine ernst zu nehmende Runde mehr, dafür frisches Futter fürs Verschwörungsgeschwurbel über die da oben. Das Opfer der Eliten zu sein, das ist der Gründungsmythos der AfD. Der Preis für den wirksamsten Wahlwerbespot geht hiermit an den SWR.

Der ganze Kommentar im INternet unter: www.morgenpost.de/206955723

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