Hochdrucktage 2006: "Diskussion um richtige Therapie verunsichert Ärzte und Patienten"
Berlin (ots) - Die Behandlung des Bluthochdrucks steckt in einer Krise: Widersprüchliche Therapieempfehlungen sowie der Druck von Politik und Krankenkassen, die Krankheit möglichst preiswert zu behandeln, verunsichern Ärzte und Patienten. Zum Auftakt der "Hochdrucktage 2006" kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Hochdruckliga, Professor Dr. Hermann Haller, die politisch-wirtschaftlich geprägte Diskussion um die Bluthochdruckbehandlung.
Sie lenke von den eigentlichen Problemen ab. "Noch immer werden 70 Prozent aller Bluthochdruckpatienten nicht adäquat behandelt, viele davon, weil sie von ihrer Erkrankung nichts wissen", betonte Haller heute (21.) in Berlin. Die Diskussion verunsichere die Ärzte und beeinträchtige die Therapietreue der Patienten.
Prof. Rainer Düsing aus Bonn, stellvertretender Vorsitzender der Hochdruckliga, wies darauf hin, dass die Hochdruckliga neue Leitlinien herausgegeben hat und durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit Patienten und Ärzte damit vertraut macht. Düsing hob insbesondere die Bedeutung der Zielblutdruckwerte für die Therapie hervor. Eine nicht konsequent durchgeführte Behandlung führe mittel- und langfristig zu Schädigungen von Herz, Niere und Gehirn. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenversagen seien die Folgen, warnte Professor Hermann Haller. "Jeder neu auftretende Schlaganfall aufgrund einer ineffizienten Therapie kommt den Patienten wie die Gesellschaft wesentlich teurer als eine ausreichende Behandlung."
Der Vorsitzende der Hochdruckliga wies darauf hin, dass eine effiziente Bluthochdruckbehandlung in aller Regel aus einer Kombinationstherapie mit verschiedenen Medikamenten bestehe. Die derzeit meist unter wirtschaftlichen Aspekten diskutierte Frage, welches Medikament wirksam und kostengünstig ist, sei nicht Ziel führend. Entscheidend sei, mit welcher Kombinationstherapie in kürzester Zeit eine Normalisierung des Blutdrucks ohne allzu viele Nebenwirkungen erreicht werden könne. Bei der Therapieentscheidung müsste daher auch die persönliche Situation des Patienten berücksichtigt werden, wie dies die von der Hochdruckliga erarbeiteten Leitlinien vorsähen.
Professor Martin Paul, Dekan der Charité und Vorstandsmitglied der Hochdruckliga, erläuterte am Beispiel der Betarezeptorenblocker die komplexe Problematik einer richtigen antihypertensiven Therapie. Diese Substanzgruppe wird auf Grund ihrer Nebenwirkungen seit kurzem kritisch diskutiert und von der britischen Hypertoniegesellschaft nur noch in zweiter Linie als Antihypertensivum empfohlen. Da jedoch Patienten mit Bluthochdruck und Herzproblemen von Betarezeptorenblockern profitieren können und nicht alle Substanzen dieser Klasse gleichwertig sind bezüglich der Nebenwirkungen, lässt die deutsche Hochdruckliga nach wie vor Betarezeptorenblocker als primäres Antihypertensivum zu. Die Hochdruckliga ist der Meinung, dass eine Leitlinienempfehlung den Arzt bei der therapeutischen Entscheidung beraten soll, ihm aber die kritische Entscheidung der individuellen Therapie nicht abnehmen kann.
Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer, Vertreter der Patienten im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga, wies darauf hin, dass die Diskussion um die Kosten der Hochdrucktherapie Patienten nachhaltig verunsichere. Wunsch der Patienten sei es, mit wirksamen Medikamenten effizient und mit möglichst wenigen Nebenwirkungen behandelt zu werden. Die häufigen Begleiterkrankungen der Patienten erfordere ein Vertrauen in den Arzt, die für den jeweiligen Patienten richtigen Medikamente auszuwählen.
Für entscheidend hält der Vorsitzende der Hochdruckliga, Haller, die frühzeitige Diagnose eines Bluthochdrucks. Da die Krankheit nicht wehtue, werde sie meist zu spät bemerkt. Viel Leid und hohe Kosten könnten vermieden werden, wenn die Menschen regelmäßig ihren Blutdruck messen ließen. Dazu lädt die Hochdruckliga vom 25. bis 30 September ein. Ärzte, Apotheker und Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland beteiligen sich an dieser Aktionswoche. "Kennen Sie Ihre Werte?" lautet daher das Motto der "Hochdrucktage 2006".
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