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Angehörige der Gletscherbahn-Opfer fordern Antworten auf offene Fragen Sechs Monate nach der Katastrophe heute Errichtung von 155 Holzkreuzen in Kaprun

Kaprun (ots) - Väter, Mütter und weitere Angehörige von Opfern des Unglücks im Tunnel der Gletscherbahn Kaprun errichten heute, Freitag, 11. Mai 2001, um 9.00 Uhr, in Kaprun an der zur Gletscherbahn führenden Straße 155 Holzkreuze im Gedenken an die bei der Katastrophe ums Leben gekommenen Menschen. Die Katastrophe hat am 11. November 2000, also vor einem halben Jahr, stattgefunden. Mit dieser privaten Initiative wehren sich die Angehörigen dieser Opfer gegen den Versuch der Gletscherbahn Kaprun AG, sie mittels einer Umfrage über Veranstaltungen, Besichtigungen und Errichtung einer Gedenkstätte und deren Interpretation zu instrumentalisieren und sie hinsichtlich ihrer weiteren Vorgangsweise zu entmündigen. Die Gletscherbahnen Kaprun AG hatte den Angehörigen Anfang April in einem Brief mitgeteilt, dass sie einen Schweizer Therapeuten mit der Erhebung der Bedürfnisse der Angehörigen in Bezug auf regionale Informationstreffen, eine Besichtigung des Wracks in Linz, eine Begehung des Tunnels sowie eine Veranstaltung zum Jahrestag der Katastrophe beauftragt habe. Dieser hatte daraufhin völlig unsensibel für die Situation der Angehörigen einen Fragebogen (wie für eine Verbraucher-Umfrage) versandt, auf dem die Angehörigen ankreuzen sollten, wen sie verloren hatten. Sie sollten durch ja/nein Fragen "abstimmen", ob sie an Besichtigungen des Wracks und des Tunnels interessiert seien, ob und welche Art der Gedenkstätte ihrer Ansicht nach in Kaprun errichtet werden sollte. Dass sich Angehörige aus Wien nun zu der Errichtung von 155 Holzkreuzen entschlossen, ist aber nicht nur durch diese Unsensibilität des vor einem Strafprozeß stehenden Managements der Bahn, sondern auch durch einen Passus in dem Fragebogen veranlaßt, der die Angehörigen in Bezug auf die weitere Vorgangsweise in mehreren Bereichen völlig entmündigt. In dem Fragebogen heißt es wörtlich (zum Ankreuzen): "Ich habe Vertrauen in die (von der Kitzsteinhorn Gletscherbahn Kaprun AG) eingesetzte Arbeitsgruppe und schließe mich deren Entscheidungen an." Die Überraschung für alle Angehörigen, die ohne Argwohn den Fragebogen ausgefüllt hatten, kam per Rundfunk: Der beauftragte Therapeut interpretierte nämlich jene Antworten, die er erhalten hatte, ohne die Zustimmung der Befragten einzuholen, im Mittagsjournal als "positive Reaktion der meisten Angehörigen". In einer Zeitungsmeldung kündigte er ein Treffen der Angehörigen Ende Mai an - ohne mit diesen gesprochen zu haben. Ein Angehöriger dazu: "In einer Situation, in der die Angehörigen darauf warten, dass die Täter bestraft werden, versucht das Management der Gletscherbahnen Kaprun AG, aus seiner Rolle als Verantwortliche für das Unglück in die Rolle des neutralen Dritten überzuwechseln. Daß die für das Unglück Verantwortlichen die Angehörigen über einen "Therapeuten" per Kurz-Fragebogen ansprechen und deren Zuschriften dann öffentlich interpretieren, ist eine einmalige, unerhörte und unglaublich schamlose Vorgangsweise." Die Angehörigen der Opfer aus Wien, die in Kaprun nun die Holzkreuze errichten, fordern alle Angehörigen von Opfern auf, sich von dieser Aktion der Gletscherbahnen Kaprun AG zu distanzieren. Ein Angehöriger: "Ein Lenker eines Autos, der alkoholisiert eine Gruppe von 30 Kindern niedergefahren hat, bestellt auch nicht Therapeuten für diese oder startet eine Fragebogenaktion, in der die Eltern gefragt werden, ob und welche Gedenkstätte sie für ihre Kinder wünschen. Vielmehr bekennt er seine Schuld und wartet dann auf seinen Strafprozeß." Die öffentliche Interpretation der Fragebögen ist nach Auffassung der Wiener Angehörigen nicht Sache der Gletscherbahnen Kaprun AG, sondern ausschließlich jene der Angehörigen. Auch die weiteren Maßnahmen - Errichtung einer Gedenkstätte, möglicherweise Besichtigung des Wracks in Linz, Begehung des Tunnels, weitere Informationstreffen sowie eine Veranstaltung zum Jahrestag der Katastrophe - dürften nicht von der Gletscherbahnen Kaprun AG, die für den Tod ihrer Angehörigen verantwortlich ist, vereinnahmt werden, sondern sei ihre eigene Angelegenheit, betonen die Angehörigen der verunglückten Buben aus Wien. Die Angehörigen der Opfer aus Wien, die heute in Kaprun die Holzkreuze errichten, erwarten aufgrund der bisher bekannten Fakten über den Unfall sowie der respektlosen Vorgangsweise gegenüber den Angehörigen einen raschen Rücktritt bzw. die Abberufung des Managements der Gletscherbahnen Kaprun AG. Der Versuch, mittels Bestellung eines "Angehörigen-Therapeuten" die Gefühle der Angehörigen zu vereinnahmen, diese eigenmächtig zu interpretieren und darüber öffentlich Aussagen zu machen, empfinden die heute in Kaprun anwesenden Angehörigen der Wiener Opfer der Katastrophe als Affront. Aus Sicht dieser Angehörigen wäre es schon kurz nach dem Unglück die moralische Pflicht des Managements der Gesellschaft gegenüber den Opfern gewesen, die Unfallursachen öffentlich darzulegen. Ein Angehörigenvertreter: "Die Ursachen, nämlich unglaubliche Schlamperei, Verantwortungslosigkeit gegenüber den Passagieren und Verzicht auf sämtliche in Tunnels sonst vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen, treten aufgrund der bisher vereinzelt an die Öffentlichkeit gedrungenen Details deutlich zutage. Es ist Zeit, dass die Mauer des Schweigens, die sich in Kaprun gebildet hat, niedergerissen wird. Wir hoffen, dass, wenn diese unglaubliche Vorgangsweise des Managements der Gletscherbahnen Kaprun AG bekannt wird, viele Zeugen aus Kaprun, die von den Vorgängen wissen, zur lückenlosen Aufklärung und damit zur einzigen moralisch vertretbaren Aufarbeitung des Unglücks beitragen. Ein Reduzieren der Schuldfrage auf den nachträglichen Einbau eines Heizstrahlers durch einen Mitarbeiter - dessen Kurzschluß aber nicht die Karosserie in Brand gesetzt haben kann -, kann nicht alles bleiben, was wir zur Verantwortung der Gletscherbahn Kaprun zu hören bekommen." Die Angehörigen haben einen Fragenkatalog aller jener Fragen erstellt, die in Zeitungsmeldungen über die Brandursache bisher nicht berücksichtigt wurden und zu deren Beantwortung das Management ihrer Auffassung nach moralisch verpflichtet wäre. Fragen an Management und Aufsichtsrat der Kitzsteinhorn Gletscherbahn Kaprun AG, an die Repräsentanten des Haupteigentümers ÖIAG und die Oberste Seilbahnbehörde: 1. Welche Brandmasse befand sich im oberen Abteil des Unglückszuges? (Erklärung: Ein Brand dieser Größenordnung erfordert eine erhebliche "Brandmasse" (größere Mengen stark brennbarer Flüssigkeit/brennbaren Isoliermaterials u.ä.) und ist laut Brandschutzexperten definitiv nicht durch die Entzündung eines Heizofens, dahinterliegender Holzverkleidungen oder die Erstentflammung von Kunststoffen oder Schianzügen zu erklären.) 2. Warum wurden in den Unglückszug nicht - obwohl erheblicher Andrang an der Talstation herrschte - wie üblich 180, sondern nur 167 Personen eingelassen? 3. Was wurde neben Personen in der Bahn noch transportiert? 4. Warum waren die Mitarbeiter der Gletscherbahn vom Management offensichtlich nicht ausgebildet bzw. nicht instruiert, die Tore in der Bergstation, die eine Ausbreitung des Brandes verhindert hätten, geschlossen zu halten? 5. Warum wurde die Bahn nicht sofort nach dem Unglück aus dem Tunnel herausgeführt (dies hätte maximal zwei Minuten gedauert und allen Insassen das Leben gerettet)? 6. Warum unterlag die Bahn nicht den allgemeinen Brandschutzbestimmungen, wie sie z.B. für U-Bahnen und Bahntunnels gelten? 7. Wurde den Ursachen der im strafrechtlichen Verfahren zu Protokoll gegebenen mehrfachen unerklärlichen Aufenthalte der Züge im Tunnel an den Vortagen des Unglücks, die der Direktion gemeldet wurden, nachgegangen? 8. Warum war 26 Jahre lang während des Betriebes der Bahn niemals die Feuerwehr vor Ort? 9. Warum wurde bei der Renovierung der Bahn in den 90er Jahren der alte Boden der Bahn nicht ausgetauscht, obwohl er aus brennbarem Polyester bestand? 10. Wußten die Direktoren der Gesellschaft, dass die Führerkabine des Unglückszuges aus brennbarem Kunststoff bestand? 11. Warum wurden alle Mängel - brennbare Karosserie und Unterboden, fehlende Feuerlöscher, nicht zu öffnende Fenster, das Fehlen von Fluchtwegen, kein Schließen des Tores in der Bergstation - vom Management bewusst toleriert und damit die vorgefallene Katastrophe bewusst in Kauf genommen? 12. Wieso gab es in der Gletscherbahn Kaprun keine Brandschutzregelung, keine Notbeleuchtung und keine Fluchtwege? 13. Warum war zum Zeitpunkt im unteren Abteil des Unglückszuges kein zweiter Betriebsangehöriger, der ein kleines, flackerndes Feuer - laut Zeugenaussage 6x10 cm - ohne weiteres mit dem Fuß austreten hätte können? 14. Was war die Ursache der Stromausfälle, die vorher laut Zeitungsberichten im Tunnel immer wieder stattfanden? Warum wurde die Ursache nicht repariert? 15. Warum gab es in den Zügen keinen Türöffnungsmechanismus und keine Nothämmer? 16. Warum war die Fahrerkabine entgegen den Vorschriften aus Kunststoff gefertigt? 17. Warum gab es in dem Tunnel keine Sprinkleranlage? 18. Warum waren in dem Tunnel keine Fluchtwege angezeigt? 19. Warum wurde die mit Öl vollgesaugte Gleisbeschüttung nie gereinigt? 20. Warum sorgt die ÖIAG als Hauptaktionär nicht für eine Blockierung der Reserven der Gesellschaft in Höhe von etwa 400 Mio. S zur vorläufigen Abdeckung materieller Ansprüche von Witwen und Waisen (wie dies andere Gesellschaften in ähnlicher Situation machten) und ermutigt die Bahn stattdessen durch Aufsichtsratsbeschluß, dieses Geld für neue Investitionen zu verwenden? 21. Wieso hat das Management der ÖIAG die für die offensichtlichen Mißstände, die zu dem Unglück geführt haben, verantwortlichen Direktoren noch nicht abberufen? 22. Warum ist das Management der Bahn trotz schwerwiegender Verdachtsmomente, die auf grob fahrlässiges Verhalten schließen lassen, nach wie vor im Amt und darf den Seilbahnbetrieb weiter leiten? Warum vertraut man diesen Personen weiterhin das Leben tausender Passagiere an? 23. Warum behauptete das Management in der ersten Stellungnahme, mit der Bahn wäre am Abend vor dem Unglück kein Material geführt worden - was sich später aufgrund der Protokolle als Lüge erwies? 24. Ist es richtig, daß die Gletscherbahn ursprünglich als Materialseilbahn konzipiert war? Zur jüngsten "Angehörigen-Therapeuten-Aktion" der Gletscherbahnen Kaprun AG stellt sich eine weitere Frage: Wieso behauptet die Gletscherbahn Kaprun AG über ihren Sprecher, den Therapeuten Faessler-Weibel, in der Öffentlichkeit, Ende Mai werde es ein Treffen der Angehörigen der Opfer geben, ohne daß die Angehörigen etwas davon wissen? Alle diese Fragen könnte das Management der Gletscherbahn beantworten, tut dies aber nicht. Um eine Antwort zu geben, bedürfte es nicht eines Strafprozesses, sondern nur der Wahrnehmung der eigenen persönlichen Verantwortung. ots Originaltext: Bauer PR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragehinweis: Dr. Johannes Stieldorf Tel. 0699 1 404 30 28 e-mail: ra-stieldorf@netway.at Original-Content von: Dr. Viktor Bauer PR GmbH, übermittelt durch news aktuell

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