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Coface stuft USA herunter
Japan unter Beobachtung für eine Abwertung - Kanada und Mexiko auch betroffen

Paris/Mainz (ots) - Schon vor einem Jahr, als die Immobilienkrise noch nicht die Schlagzeilen beherrschte, hatte Coface Anzeichen dafür gesehen, die Vereinigten Staaten im Länderrating abwerten zu müssen. Nun hat der internationale Anbieter von Lösungen im Forderungsmanagement die USA von A1 auf A2 herabgestuft. Coface reagiert damit auf die sich fortsetzende Verschlechterung des Zahlungsverhaltens US-amerikanischer Firmen seit Anfang 2008.

Unter negative Beobachtung gestellt wurde jetzt Japan (Bewertung A1), dessen Export unter dem Rückgang der amerikanischen Nachfrage und einem starken Yen leidet. Das Rating der unmittelbaren US-Nachbarn Kanada (A1) und Mexiko (A3) steht ab sofort ebenfalls unter Beobachtung. Damit folgen die drei Länder den europäischen Industrienationen Großbritannien, Spanien und Irland sowie Bulgarien und Rumänien auf die negative Watchlist.

Coface geht davon aus, dass das Wachstum in den USA im ersten Halbjahr 2008 nur schwach oder sogar negativ ausfallen wird, und erwartet allenfalls eine leichte Erholung für die zweite Jahreshälfte. Diese stützt sich im Wesentlichen auf den nach wie vor guten Export, bedingt durch den günstigen Wechselkurs und die dynamische Nachfrage in den aufstrebenden Ländern. Dorthin gehen mehr als 50 Prozent der US-Ausfuhren. Der Wachstumsrückgang hat deutliche Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten, zumal die Zahl der Insolvenzen und der unter den Schutz von Chapter 11 gestellten Unternehmen bereits 2007 signifikant zugenommen hat (um 43 bzw. 25 Prozent gemäß des privaten Instituts AACER). Vor allem den Branchen, die auf den Konsum der privaten Haushalte im Inland angewiesen sind, weht ein scharfer Wind entgegen. Die erhöhten Kosten für Energie, Transport und wichtige Rohstoffe üben zusätzlich Druck auf ihre Margen aus. Und die aktuelle Kreditkrise hat ihre bereits angeschlagene Finanzsituation weiter geschwächt. Durch die erschwerten Bedingungen beim Kreditzugang haben viele Unternehmen kaum die Chance, wichtige Investitionen zu tätigen. Nicht nur der private Wohnungsbau ist davon betroffen. Auch die Automobil- und Elektroindustrie, der Einzelhandel, Textil und Bekleidung sowie Tourismus und Gastgewerbe bekommen zu spüren, dass die Verbraucher den Gürtel enger schnallen.

Japan bleibt noch in der höchsten Stufe A1, die Aussichten sind aber negativ. Der starke Yen schränkt die Wettbewerbsfähigkeit ein. Die Nachfrage aus den USA, auf die sich 25 Prozent der Ausfuhren stützen, geht zurück. "Die Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand", betont Yves Zlotowski, Chefökonom der Coface. "Sie hängen häufig von einem Kunden ab. Waren sie so schon bisher einem hohen Druck auf ihre Margen ausgesetzt, so hat sich dies verstärkt, seitdem die Preise für Rohstoffe stiegen, die starke Konkurrenz aus China einsetzte und die Nachfrage im Inland zurückging."

In Kanada (A1) ist das Risiko von Zahlungsausfällen vor allem in der verarbeitenden Industrie gestiegen. Grund sind wiederum der hohe Kurs des Kanadischen Dollar und der sinkende Absatz in den USA, wohin 40 Prozent der Ausfuhren gehen. Auch Mexiko (A3) hängt wirtschaftlich vom Nachbarland ab. Hier sind 80 Prozent der Ausfuhren für die Vereinigten Staaten bestimmt. Überweisungen von Emigranten, die 3 Prozent des BIP ausmachen, gehen zurück, da sie insbesondere von in den USA lebenden Beschäftigten in der Baubranche abhängen, die seit der Immobilienkrise mit Auftragsrückgängen kämpft.

Die Coface-Bewertungen berücksichtigen insbesondere das Zahlungsverhalten der Unternehmen in den jeweiligen Ländern. Es fließen aber auch Daten zur wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Entwicklung eines Landes ein sowie zum dort vorzufindenden Geschäftsumfeld, wozu vor allem die Transparenz bei den Unternehmensbilanzen, der Gläubigerschutz und institutionelle Rahmenbedingungen gehören. Das Rating ist ein guter Indikator für Unternehmen, die mit oder in diesen Ländern Geschäfte machen. Die Bewertungen folgen einer ähnlichen siebenstufigen Skala wie die der Ratingagenturen: A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades, B, C und D stehen für ein mittleres bis hohes Risiko.

Hinweis für Redaktionen

Nicht auszuschließen ist, dass Coface in diesem Jahr weitere Länder unter negative Beobachtung stellt und Abwertungen vornimmt. Wichtige Frage angesichts der aktuellen Entwicklungen: Ist das A1-Rating von Deutschland zu halten? Über diese und weitere Fragen können Journalisten auf dem "Kongress Länderrisiken 2008" mit Fachleuten sprechen. Die Pressekonferenz ist am 16. April um 16.00 Uhr in der Sektkellerei Kupferberg (Eingang gegenüber Novotel), Kupferbergterrasse 17-19, in Mainz. Die Veranstaltung am 17. April findet ganztägig in der Rheingoldhalle in Mainz statt und ist für Journalisten kostenlos. Programm und organisatorische Infos: www.laenderrisiken.de

   Informationen und Anmeldungen für die Pressekonferenz am 16. April
und/oder zum Kongress am 17. April: 

   Erich Hieronimus, Tel.: 06131 / 323-541, 
erich.hieronimus@coface.de
 
   Stephanie Gothe, Tel.: 06131 / 323-542, 
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