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Breschen in die Mauer: Kleine Erfolge im Kampf gegen Zensur in China

Berlin (ots) - In den vergangenen Monaten hat Reporter ohne Grenzen (ROG) einige hoffnungsvolle Erfolge im Kampf gegen die massive mediale Überwachung und Lenkung in der Volksrepublik China dokumentiert. Chinesische Journalisten und Blogger verleihen ihrem Wunsch, ungehindert zu berichten und ihre Meinung frei zu äußern, zunehmend Ausdruck.

Schon mehrfach kam es zu Online-Protesten gegen die juristische Verfolgung und Inhaftierung von Medienschaffenden. In einigen Fällen ließen Behörden Klagen daraufhin fallen. Mit fantasievollen Illustrationen und Symbolen machen Internetnutzer und Künstler auf das Problem der beschränkten Meinungsfreiheit aufmerksam. Einige Medien unterstützen sich gegenseitig, um Zensur zu umgehen.

"Mit Mut, Ausdauer und Humor gelingt es Journalisten, Internetnutzern, Bloggern, Künstlern, Anwälten und Intellektuellen immer wieder, Löcher in die Mauer zu schlagen. Staatliche Zensur und Repressionen werden aufgedeckt oder gar vereitelt", so ROG.

Trotz wachsender Online-Zensur ist das Internet in China das wichtigste Medium der Kritik und des Protestes. Journalisten, Blogger, Anwälte und Unterstützerkreise inhaftierter Dissidenten veröffentlichen in Portalen, Blogs und Social Media wie Twitter Fälle von Zensur und Repression. In einigen Fällen gelingt es ihnen, damit eine größere Internetgemeinde zu mobilisieren. Das zeigt das Beispiel des Journalisten Xie Chaoping. Zahlreiche Journalisten, Blogger, Karikaturisten und Universitätsangehörige protestierten im Internet gegen Xies Verhaftung im August 2010. Nach mehreren Wochen Haft wurde Xies freigelassen - dessen Anwalt zufolge ein Ergebnis des Internetprotests.

Von der Solidarität einer Online-Gemeinde konnte auch der Journalist Qiu Ziming profitieren. Der Mitarbeiter der Wochenzeitung "The Economic Oberserver" wehrte sich in seinem Blog gegen eine Anklage wegen "Verleumdung". Die Vorwürfe wurden gegen Qiu erhoben, nachdem er die missbräuchlichen Geschäftspraktiken eines lokalen Batterie-Herstellers angeprangert hatte. Rasch bildete sich eine Welle der Unterstützung, die Behörden ließen die Klage gegen Qiu Anfang August fallen.

Bei ihrem Protest gegen Zensur und Repression zeigen sich chinesische Medienschaffende und -nutzer einfallsreich und humorvoll: Ein beliebtes Mittel, um Missbilligung von staatlicher Überwachung und Spott gegen Zensoren auszudrücken, sind Wortspiele und Cartoons. Mittlerweile existieren zehn symbolhafte Figuren. Mit unterhaltsamen Geschichten und Illustrationen wird auf diese Weise Kritik an Zensur geübt.

Ein positives Zeichen ist außerdem die wachsende Zusammenarbeit einiger Medien. Wenn etwa eine Regionalzeitung zensiert wird und eine Geschichte oder ein Thema nicht aufgreifen kann, kommt es vor, dass ein Blatt in einer Provinz einen Artikel darüber bringt. Ende August haben einige Journalisten in der Stadt Yichuan im Nordosten des Landes öffentlich gegen die Festnahme von vier Kollegen vor dem Sitz der örtlichen Propagandaabteilung demonstriert.

Im allgemeinen bleibt die Situation von Journalisten und Internetnutzern in der Volksrepublik prekär: Nach wie vor sind in China rund 100 Medienschaffende hinter Gittern, die Überwachungstechniken und -formen werden immer vielfältiger. Aber wie die Beispiele zeigen, kann die Mauer der Zensur durchbrochen werden. "Es ist an internationalen Regierungen, Unternehmen, Medien und Internetnutzern in demokratischen Staaten, das hoffnungsvolle Engagement auch von jenseits der Mauer zu unterstützen", appelliert ROG.

Lesen Sie weitere Beispiele des Kampfes gegen Zensur in China in der ausführlichen Pressemitteilung (Englisch): http://bit.ly/djKfWj

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