Deutsches Institut für Menschenrechte

Menschenrechte im Schulsystem stärken - Diskriminierung abbauen
Menschenrechtsinstitut veröffentlicht Studie zum Recht auf Bildung

Berlin (ots) - Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat untersucht, wie das Menschenrecht auf Bildung im deutschen Schulsystem umgesetzt wird. Dafür wurden Studien zum Zugang zu Bildung menschenrechtlich eingeordnet und die Schulgesetze aller Bundesländer sowie die Bildungspläne von Bayern, Berlin/Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen im Hinblick auf Diskriminierungsfreiheit analysiert.

Die Ergebnisse der Studie mit Empfehlungen an verschiedene Akteure in Bund und Ländern liegen jetzt vor und werden am 29. September im Rahmen einer gemeinsamen Tagung des Deutschen Instituts für Menschenrechte und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) in Berlin vorgestellt.

"In Deutschland wird zwar viel über Chancengleichheit in der Bildung diskutiert. Doch fehlt es an einer menschenrechtlichen Perspektive", schreiben die Autorinnen Mareike Niendorf und Sandra Reitz vom Deutschen Institut für Menschenrechte. "Wenn das deutsche Schulsystem inklusiv und diskriminierungsfrei werden soll, so, wie es Grundgesetz und Menschenrechte verlangen, muss sich Vieles im Schulwesen ändern. Dies betrifft rechtliche Regelungen genauso wie Bildungspläne, Unterrichtsmaterialien und das Schulgeschehen im Alltag."

Das deutsche Schulsystem diskriminiere auf verschiedenste Weise, so die Autorinnen. "Problematisch ist etwa, wenn Kindern mit Behinderungen oder geflüchteten Kindern kein umfassender Rechtsanspruch auf den Besuch einer Regelschule eingeräumt wird", erläutert Sandra Reitz, Leiterin der Abteilung Menschenrechtsbildung am Institut.

Aber auch jenseits solcher schwierigen Zugänge zu Schule treten Diskriminierungen im Schulsystem auf. So hänge beispielsweise der Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen nach wie vor eng mit deren soziökonomischer Herkunft zusammen. "Der Aufbau eines transparenten und menschenrechtsbasierten Monitorings für das deutsche Schulsystem ist dringend notwendig. Die Menschenrechte verpflichten Deutschland, Diskriminierungen abzubauen. Alle an Bildung beteiligten Akteure sollten hierbei einbezogen werden", so Mareike Niendorf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut.

Um Kinder und Jugendliche für Diskriminierung zu sensibilisieren, empfiehlt das Deutsche Institut für Menschenrechte, Unterrichtsmaterialien daraufhin zu überprüfen, ob sie stereotype oder gar abwertende Bilder und Bezeichnungen hinsichtlich Geschlecht, Herkunft, Alter, Behinderung, sexuelle Identität und Orientierung, Hautfarbe sowie Religion und Weltanschauung vermitteln. So werde etwa Migration überwiegend als Problemfall behandelt oder in Biologiebüchern nicht über Trans- und Intersexualität gesprochen.

Zudem müssten Diskriminierung und Menschenrechte in Schulgesetzen, Bildungsplänen und im alltäglichen Schulgeschehen häufiger thematisiert werden. Es reiche nicht aus, bestimmte Begriffe zu vermeiden, zusätzlich müssten auch die Geschichte der Begriffe und vorhandene Diskriminierungsfaktoren und -risiken behandelt werden. Nur so könnten Vorurteile reflektiert und überwunden werden.

"Diskriminierungen in der Bildung manifestieren sich unterschiedlich. Durch umfassenden Diskriminierungsschutz wird das Recht aller Kinder auf Bildung verwirklicht. So trägt die Schule dazu bei, ein von Respekt getragenes Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft zu sichern", machen die Autorinnen klar.

WEITERE INFORMATIONEN

Mareike Niendorf / Sandra Reitz (2016): Das Menschenrecht auf Bildung im deutschen Schulsystem. Was zum Abbau von Diskriminierung notwendig ist. Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte http://ots.de/Jw5oG

Tagung "Diskriminierung im Bildungsbereich abbauen", 29.09.2016, WZB, Berlin http://ots.de/mtA2K

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