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Stuttgarter Zeitung: Urteil mit Beigeschmack - Leitartikel zum Middelhoff-Prozess

Stuttgart (ots) - Die Auftritte von Thomas Middelhoff vor Gericht boten ein Bild, das so nur selten zu bestaunen ist. Da sprach ein Mann über sich selbst, der in völliger Selbstüberschätzung jeglichen Kontakt zur Realität verloren hat und eine Selbstbedienungsmentalität an den Tag legt, die einfach unverfroren ist. Dem Ansehen von Managern in dieser Republik, um das es ohnehin nicht gut bestellt ist, hat er damit immensen Schaden zugefügt.

Das Gericht hat den Schaden, den Middelhoff Arcandor zugefügt hat, auf 500.000 Euro beziffert. Das ist zwar viel Geld, steht aber in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den der Manager anderweitig angerichtet hat. Ob er je für die Pleite des Konzerns zur Verantwortung gezogen werden kann, steht in den Sternen. Das ist in Deutschland fast unmöglich, wenn der Chef nicht vorsätzlich gehandelt hat, was selbst Middelhoff niemand unterstellt.

Fälle wie dieser offenbaren, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt. Es ist einfach nicht richtig, wenn ein größenwahnsinniger Manager hinter Gitter muss, weil er sein Unternehmen um 500.000 Euro geschröpft hat, aber straffrei ausgeht, wenn er eben jenes Unternehmen komplett an die Wand gefahren hat.

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