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Stuttgarter Zeitung: Umfrage des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall zur Zeitarbeit - Vorsitzender Rainer Dulger warnt die Regierung: "Wer die Zeitarbeit einschränkt, behindert den Aufschwung"

Stuttgart (ots) - Der Arbeitgeberverband Südwestmetall mahnt die Bundesregierung, die gesetzlichen Bedingungen für die Leih- und Zeitarbeit nicht zu verschärfen. "Ohne Zeitarbeit können wir die Industrie nicht richtig flexibilisieren", sagte ihr Vorsitzender Rainer Dulger im Interview der "Stuttgarter Zeitung" (Dienstagausgabe). "Wer eines der Instrumente wegnimmt, behindert den Aufschwung wesentlich." Die Zeitarbeit sei derzeit das wesentliche Flexibilisierungsinstrument. Wenn sie jetzt zunehme, sei das "ein glücklich machendes Signal, weil wir daran sehen, dass mehr Arbeit benötigt wird und der Aufschwung kommt".

Dulger warnte die IG Metall davor, die Leiharbeit schlecht zu reden, und schloss aus, dass es einen Trend zu mehr Zeitarbeit zu Lasten von Stammbelegschaften gibt. Dazu seien Stammbeschäftigte mit ihrem Knowhow zu wertvoll. "Dass der Anteil an Zeitarbeitern lang anhaltend deutlich ansteigen könnte, sehe ich für unsere Industrie nicht", sagte er. Selbst auf dem Höhepunkt des Booms hätten die Unternehmen nur 6,4 Prozent ihrer Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen ausgeliehen. "Das wird sich im Aufschwung auf ein vernünftiges Maß einpendeln", versicherte er.

Eine Umfrage, deren Ergebnisse der Stuttgarter Zeitung vorliegen, unterstreicht den Wert der Zeitarbeit für die Industrie. Demnach planen 84 Prozent der Unternehmen, Zeitarbeitnehmer einzustellen, um im Aufschwung das größere Arbeitsaufkommen zu bewältigen. 85 Prozent wollen die Zeitkonten nutzen und 77 Prozent würden die befristete Beschäftigung ausbauen. Nur 35 Prozent der Betriebe erwägen, ihr Stammpersonal zu vergrößern. An der Erhebung hatten sich 285 der tausend Südwestmetall-Mitgliedsunternehmen beteiligt, die 400.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Auf eine Einschränkung oder Verteuerung der Zeitarbeit würden der Umfrage zufolge 52 Prozent der Betriebe mit einer Auslagerung von Produktion an kostengünstigere Standorte reagieren. 32 Prozent würden Arbeitsplätze abbauen, und elf Prozent würden ihre Preise erhöhen. Lediglich 19 Prozent würden Zeitarbeiter in Stammbeschäftigte umwandeln.

Wie der Präsident des Dachverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sprach sich auch Dulger für einen Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche aus. Er sei zwar grundsätzlich ein erklärter Gegner von Mindestlöhnen. Wo aber Missbrauch drohe oder wo sich europäische Rahmenbedingungen veränderten, "sollte die Politik handeln", betonte er mit Blick auf den im Mai 2011 eröffneten freien Arbeitsmarktzugang für osteuropäische Arbeitnehmer.

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