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Mitteldeutsche Zeitung: Lage in der Eurozone IWH-Chef: Deutsches Krisenmanagement "miserabel" - "Nordischer Euro" als Notfallplan

Halle (ots) - Der hallesche Ökonom Ulrich Blum hat das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Griechenland-Krise scharf attackiert. "Es ist miserabel. Kanzlerin Angela Merkel hat versucht, zwischen zwei Welten zu lavieren", sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Dienstagausgabe). Merkel habe unter dem Druck der Finanzmärkte und dem Einfluss des Maastricht-Urteils gestanden, das europäische Transfers ausschließt. Merkel habe dann signalisiert, "dass wir helfen, wenn es wirklich schlimm kommt. Und nun testet der Markt: Ab wann ist es denn schlimm?"

Wenn sich die Krise der Eurozone ausweitet, dann werde es am Ende weitreichende Konsequenzen geben. "Wenn das so weiter geht, wird es im schlimmsten Fall einen nordischen Euro geben", so Blum. "Bei einem nordischen Euro könnten neben Deutschland die Skandinavier, Holland, Belgien, Frankreich und Österreich mitmachen." Eine Rückkehr zur D-Mark schloss Blum aus. "Die D-Mark würde rund 20 Prozent über dem jetzigen Euro liegen - damit wäre wären erhebliche Teile des Exports auf einen Schlag abgewürgt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler.

Blum kritisierte, dass die deutsche Politik das Maastricht-Urteil des Bundesverfassungsgerichts "nie in Politik umgesetzt" habe. "Hätte sie das getan, wäre schon vor Jahren das Finanzgebaren in Griechenland durch die Politik unter Druck gesetzt worden, nicht erst heute durch die Märkte", so der 56-Jährige. Nun sei aber die gesamte griechische Wirtschaftsstruktur "letztlich verbogen, mit einem doppelten Defizit - im Budget und im Außenhandel". Die dortige Wirtschaft müsse massiv umstrukturiert werden - bei gleichzeitigen Kürzungen. "Das wird wie ein kalter Entzug nach einem lang anhaltenden Doping", sagte Blum dem Blatt.

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